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MICHAEL SALOMO ALEXANDER Michael Salomo Alexander, geboren am 1. Mai 1799 als Sohn jüdischer Eltern in Schönlanke im Großherzogtum Posen, war der erste evangelische Bischof von Jerusalem. Schönlanke war damals eine kleine Fabrikstadt. Er wurde streng nach den unverfälschten Grundsätzen des rabbinischen und orthodoxen Judentums erzogen. Mit 16 Jahren lehrte er den Talmud in deutscher Sprache. Mit 21 zog er nach England und betätigte sich ebenfalls als Lehrer und außerdem als Schächter. Der Schächter ist für die rituelle Schlachtung der Tiere zuständig. Er muß theoretisch und praktisch ausgebildet sein und einen frommen Lebenswandel führen. Seine Zulassung hängt vom Zeugnis eines Rabbiners ab. Wie er selbst sagte, wußte er zu dieser Zeit nicht das geringste vom Christentum. Er wußte noch nicht einmal von der Existenz des Neuen Testaments. Über Christus wußte er nichts bestimmtes, hatte aber Vorurteile gegen seinen heiligen Namen. Unzufrieden mit seiner Situation in Londen, siedelte er sich als Hauslehrer in Colchester an. Ein Handzettel der Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden," die damit ihre Jahresversammlung ankündigte, weckte seine Neugier und er beschaffte sich ein Neues Testament, das er dann auch las. Kurz darauf nahm er die Stelle des Rabbiners in Norwich an. Danach zog er nach Plymouth, wo er 1821 Miss Levy kennenlernte und heiratete. Durch Gottes Vorsehung traf er dort Pfarrer B.B. Golding, den Prädikanten von Stonehouse, den er in der hebräischen Sprache unterrichtete. Die Gespräche, die er mit dem Pfarrer hin und wieder führte, überzeugten ihn beinahe von der Wahrheit des christlichen Glaubens, obwohl er sich innerlich dagegen wehrte. Sein Kampf war herzzerreißend. Sonntagabends schlich er sich oft zur Stonehouse Kirche, stand wie festgenagelt im Schatten ihrer Mauern und hörte dem christlichen Lobgesang zu, den er noch nicht mitzusingen wagte. Bald darauf hörte seine Gemeinde von seinem Interesse am Christentum und entließ ihren Rabbi. Nun kam er regelmäßig zu den Predigten von Herrn Golding und wurde am 22. Juni 1825 in der St. Andrew's Church in Plymouth im Beisein von 1,000 Gemeindegliedern getauft. Seine Frau wurde sechs Monate später in Exeter getauft. Sie war ohne Wissen ihres Mannes ebenfalls heimlich auf der Suche nach dem wahren Glauben gewesen. Wegen seiner Position weckte die Bekehrung Alexanders großes Interesse und war eine Ermutigung für alle, die sich für die Sache Christi einsetzten. Er wurde 1827 von Erzbischof Magee in Dublin zum Diakon geweiht, zu einer Zeit, in der die Ordination christlicher Juden äußerst selten war. Er erhielt einen kleineren Posten in der Stadt. Im Dezember 1827 wurde er vom Bischof von Kildare zum Priester geweiht, trat der Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden" bei und arbeitete 1827 bis 1830 in Danzig und 1830 bis 1841 in London als Missionar. Eine höchst interessante Begebenheit wird von ihm erzählt, als er Posen auf einer Arbeitsreise durch Preußen besuchte. Dort traf er seinen Bruder, der Rabbiner einer großen Gemeinde in der Nähe von Posen war. Aus den Worten des zukünftigen Bischofs wird nicht nur seine Demut deutlich, sondern auch wie vollständig er das Judentum hinter sich gelassen hatte und in der Freude seines neuen Glaubens lebte. Es fällt mir schwer, meine Gefühle zu beschreiben, als ich mich in meinem Heimatland Posen wiederfand und mir bewußt wurde, was der Herr Wunderbares an mir getan hatte, seit ich vor neun Jahren von hier wegzog. Damals war ich ein umherirrendes Schaf aus der Herde meines Erlösers, tappte im Dunkeln und im Schatten des Todes und wußte nicht, daß der Herr mich erkauft hat. Wie hat er mich Blinden geführt? Ich weiß es nicht. Hochpreiset den Herrn meine Seele, denn mein Geist erfreut sich in Gott, meinem Heiland, besonders wenn ich bedenke, daß ich nun als demütiges, wenngleich unwürdiges Werkzeug eingesetzt bin, die frohe Botschaft der Erlösung zu predigen und meinen Brüdern zu verkündigen, was der Herr an meiner Seele getan hat. Wenn ich fürchte, nicht mehr nützlich zu sein, sehe ich auf zum Herrn und sage: 'Deine Gnade genügt mir; deine Kraft ist mächtig in mir, dem Schwachen.' Der Herr gab mir ein weiteres gnadenvolles Zeichen seiner Barmherzigkeit in Posen. Ich hatte meinen Bruder von meinem Besuch verständigt und ihn um ein Treffen gebeten. Mein Bruder war Rabbiner einer großen jüdischen Gemeinde 18 km von Posen entfernt. Ich hatte nur wenig Hoffnung, daß er sich mit mir treffen würde, da er seit meiner Taufe sehr bitter gegen mich war. Doch sein Brief drückte den Wunsch aus, mich auf halbem Wege in der Umgebung von Posen zu treffen. I machte mich sofort auf und hatte die unaussprechliche Freude, meinen Bruder zu umarmen, nicht als Feind, (um des Evangeliums willen) sondern voll brüderlicher Liebe und Zuneigung. Er rechnete mir meine Ehrlichkeit an. Ich erklärte ihm das Evangelium und verkündigte ihm die Hoffnung, die ich hatte. Er gab zu, daß er sich damit noch nicht befaßt hatte, versprach aber, daß er dies tun wolle. Er sagte mir etwas sehr Bedeutsames, nämlich daß die Juden generell erwarteten, daß die kommende Generation das Christentum annehmen würde und daß das Judentum am Aussterben sei. Er konnte leider nicht lange bleiben und wir beteten zum Abschied, der Herr möge seine Augen öffnen und ihm die Herrlichkeit zeigen, die das Antlitz Jesu erleuchtet, und der Herr möge uns beide in Seiner Liebe eins werden lassen und zu Brüdern in Christus machen." In London predigte Alexander oft vor jüdischem Publikum und beteiligte sich aktiv bei der Revision des Neuen Testaments in hebräischer Sprache, wie auch bei der Übersetzung der Liturgie ins Hebräische. Von 1832 bis 1841 war er Professor für Hebräische und Rabbinische Literatur am King's College in London. 1840 führte er eine Liste von 60 Namen von führenden jüdischen Konvertiten an, die sich an einem formellen "Protest Christlicher Juden in England" beteiligten gegen die Blut-Anschuldigung bzw. den Vorwurf, die Juden würden das Blut von Christen in ihrem Passah-Ritual benutzen. Es war ein bemerkenswertes Dokument, da es von so vielen gebürtigen Juden verfaßt wurde, die mit den Zeremonien des Judentums tief vertraut waren. Ausgerechnet zu diesem kritischen Zeitpunkt erregte ein besonderes Ereignis beachtliches Aufsehen-es erstaunt selbst heute noch-nämlich die Gründung einer anglikanischen Diözese in Jerusalem. Die Leitung der Diözese wurde Dr. McCaul angeboten, doch dieser lehnte ab mit der Begründung, daß ein hebräischer Christ die Position einnehmen solle. Daraufhin fiel die Wahl auf Alexander, der am 7. November 1841 zum ersten Bischof für den neuen Bischofssitz geweiht wurde. Die Weihe wurde in Lambeth Palace vom Erzbischof von Canterbury, Dr. Howley, vorgenommen, assistiert von Dr. Blomfield, dem Bischof von London, Dr. Murray, dem Bischof von Rochester, und Dr. Selwyn, dem Bischof von Neuseeland. Zu den anwesenden vornehmen Gästen gehörten Seine Exzellenz, Chevalier Bunsen, der den König von Preußen vertrat; Sir Stratford Canning, außerordentlicher Botschafter Ihrer Majestät in Porte; Baron Schleinitz, der preußische Geschäftsträger; der preußische Konsul, General Hebeler; Lord Ashley; der ehrenwerte W.E. Gladstone; der ehrenwerte Dr. Nicholl; Sir Robert H. Inglis; Sir Claudius Hunter, und Pfarrer Dr. Abeken, der Hofprediger des Königs von Preußen. Dr. McCaul predigte aus Jesaja 52,7: Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!" Am nächsten Morgen zelebrierte der neue Bischof das Abendmahl in der bischöflichen Kapelle, wo er abends die letzte Predigt vor seiner Abreise nach England hielt. Auch hier war der Text wieder auf die Ereignisse zugeschnitten, wie sich später herausstellen sollte: Und nun siehe, durch den Geist gebunden, fahre ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird..." (Apostelgeschichte 20,22-24). Am 13. November 1841 wurde ein Abschiedstreffen veranstaltet mit einer Ansprache an den Bischof, der am 7. Dezember von Portsmouth aus segelte in Begleitung seiner Frau, wie auch Pfarrer G. Williams (seinem Hausgeistlichen), Pfarrer F.C. Ewald mit seiner Frau und Dr. E. Macgowan. Die Regierung stellte das Dampfschiff H.M. Devastation" für die Reise zur Verfügung. Die Reisegesellschaft kam am 14. Januar 1842 an der Küste von Beirut an und erreichte Jerusalem am 21. Januar. Der Einzug des Bischofs in Jerusalem war ein bemerkenswertes Ereignis in der Geschichte der Heiligen Stadt. Alexander beschreibt ihn so: Am Freitagabend trafen wir in der Stadt unserer Vorväter ein und wurden mit Respekt und Ehrerweisung empfangen.... Wir waren eine beachtliche Gesellschaft-der Generalkonsul (Oberst Rose) mit sieben oder acht Begleitern; Kapitän Gordon mit sechs oder sieben seiner Offiziere von der Devastation"; Herr Nicolayson und Herr Bergheim, die uns von Jaffa aus begleitet hatten; Herr Johns und die amerikanischen Missionare mit ihren Begleitern, die uns drei Meilen vor Jerusalem abholten; und zum Schluß die leitenden Offiziere des Paschas, der am Nachmittag zu uns gekommen war, aber bei Anbruch der Dunkelheit zurückkehren mußte; sowie eine Truppe Soldaten, angeführt von arabischer Musik, was sich wie das Trommeln auf einem Wasserkessel anhörte. Es war neblig und wir kamen etwa um 18 Uhr an. Unter Salut-Salven betraten wir Jerusalem durch das Jaffa-Tor und wurden zu Mr. Nicolaysons Haus geleitet, wo wir auf die gastfreundlichste und gütigste Weise empfangen wurden und alle von Dankbarkeit und Anbetung überwältigt waren.... Am letzten Sonntag hatten wir Gottesdienst in der provisorischen Kapelle. Ich hielt meine erste Predigt über Jesaja 60,15; Herr Williams predigte am Nachmittag und Herr Nicolayson hielt einen deutschen Gottesdienst am Abend. Wir hatten eine sehr gute Gemeinde und alle unsere Freunde, der Generalkonsul, Kapitän Gordon und seine Offiziere waren anwesend. Wie uns zumute war kann man sich vermutlich besser vorstellen als in Worte fassen. Wir feierten auch das Abendmahl und die Frauen von Reading dürfen sich freuen, daß das stattliche Kommunions-Service, das sie der Kirche schenkten, dabei zum erstenmal vom Bischof von Jerusalem benutzt wurde." The Times berichtete in vollem Umfang vom Einzug des Bischofs und bemerkte abschließend: Die Mission darf sich der vollen Unterstützung der britischen Regierung und des britischen Abgesandten in Porte gewiß sein. In bezug auf Syrien steht der Generalkonsul mit dem ganzen Einfluß seiner dienstlichen Amtsbefugnis, sowie seiner Persönlichkeit und seiner Beliebtheit zur Verfügung, um das Unternehmen flott zu machen, während die milde und gütige Persönlichkeit des Bischofs und die vernünftige, praktische Art seines Assistenten, Mr. Nicolayson, und dessen Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten eine sichere Garantie dafür sind, daß Behutsamkeit, Nächstenliebe und Versöhnlichkeit über ihre Bemühungen walten." Entsprechend der Anweisungen aus Konstantinopel wurde in den Moscheen bekanntgegeben, daß jeder, der den anglikanischen Bischof auf irgend eine Weise hindert, es mit dem Pascha zu tun bekommt, der ihn wie seinen Augapfel achtet." Die Gegenwart des Bischofs machte sich deutlich bemerkbar im Dienst an den Juden in Jerusalem. Die täglichen Gottesdienste, die in der provisorischen Kapelle auf dem Berg Zion gehalten wurden, waren eine Quelle großer Freude für ihn, wie auch die großen Gemeinden. Der Bischof faßte seine beruflichen Pflichten im ersten Jahr wie folgt zusammen: Wir haben alle Sakramente und Riten unserer Kirche hier in unserer Kapelle ausgeführt." Der Bischof hielt seine erste Ordination am 17. März, taufte einen Juden am Pfingsttag und konfirmierte acht hebräische Christen; hielt eine Hochzeit für zwei Konvertiten; und endete schließlich mit der Aussendung eines hebräisch-christlichen Missionars. Der Gebetsraum wurde bald zu klein. Der Bau des Gebäudes der London Society wurde in Angriff genommen. Es sollte sowohl als Kathedrale, wie auch als britisches Domizil und als Missionszentrum dienen. Alexander starb vor der Einweihung. Durch göttliche Vorsehung war sein Episkopat sehr kurz, doch kann man die drei Jahre seines Wirkens sehr wohl als Jahre der Fülle" bezeichnen. Seine Briefe bezeugen, mit welchem Elan er sich in die Arbeit stürzte und wie sehr ihm seine Pflichten am Herzen lagen. Er besuchte die Randbezirke seiner ausgedehnten Diözese und der Ausblick war vielversprechend und positiv. Sein plötzlicher Tod am 26. November 1845 versetzte der Arbeit einen Schlag im vierten Jahr seines Episkopats. Alexander war auf dem Weg nach Ägypten durch die Wüste Ras-el-Wady, die zur Diözese von Jerusalem gehörte. Im letzten Jahresbrief des Bischofs, den er vor seiner Reise nach Kairo schrieb, erwähnte er, es sei "alles ungewiß" in bezug auf seine Pläne. Im selben Brief drückte er bewußt Zufriedenheit darüber aus, daß Gottes Segen auf der Arbeit ruhe, indem jüdische Konvertiten getauft und konfirmiert wurden und freundliche Beziehungen zwischen jüdischen Anwohnern und Fremden in Jerusalem bestanden. Er erwähnte auch gute Gelegenheiten in Jaffa, seinen Besuch in Damaskus und freundschaftliche Beziehungen mit den verschiedenen Kirchen. Er faßte seinen Bericht so zusammen: Im großen und ganzen haben wir guten Grund, Gott zu danken und sind ermutigt. Wir bitten unsere Freunde, sich mit uns im Gebet, in Fürbitte und Danksagung zu vereinen an diesem denkwürdigen Tag, dem 21. Januar, an dem wir zum erstenmal die Heilige Stadt betreten haben. Dieser Tag ist allein schon unvergeßlich wegen der Ergebnisse, die in solch kurzer Zeit erreicht wurden; möge sich dieser Tag in der Geschichte der Kirche als bemerkenswert erweisen, wenn der Herr 'Zion wieder aufbaut und in seiner Herrlichkeit erscheint' (Ps. 102,17) und wenn alle, die jetzt um Zion trauern, weil es in Trümmern liegt, sich mit ihm freuen werden; und wenn Gottes Volk sich freut am Überfluß der Herrlichkeit." Frau Alexander beschreibt die letzten Tage des Bischofs in der Wüste bei Belveis am 3. November 1845: "Als wir uns auf den Weg durch die Wüste machten, ritt ich mit meinem lieben Mann auf unseren eigenen Pferden; meist waren wir der Karawane voraus und gewöhnlich sangen wir einige unserer hebräischen Lieder, wie auch die folgenden Kirchenlieder: 'Kinder des himmlischen Königs;' 'Lange hing die Harfe Judas,' ‚Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder' (Psalm 111); diese waren alle aus unserem eigenen Gesangbuch. Sein weiches und mitfühlendes Herz floß meist über, wenn er über Israels Zukunft und Wiederherstellung sprach. Als ich ihn über seine Pflichten in England fragte, antwortete er, 'Ich hoffe, falls ich eingeladen werde, meine erste Predigt in England in der Kapelle der anglikanischen Juden zu predigen.' Als ich ihn fragte, über welches Thema er denn sprechen wolle, antwortete er, 'Ich will dort weitermachen, wo ich aufgehört habe, als ich letztes Mal in dieser lieben Gemeinde war, nämlich bei dem Thema, daß keine dieser Prüfungen mich vom Weg abgebracht haben (Apg. 20,24-28)." Sein Geistlicher, Pfarrer W.D. Veitch, sagte in seiner Todesnachricht: Es war wirklich herzzerreißend, zu sehen, wie die verwitwete Frau und die vaterlose Tochter in einem Zelt in der tiefsten Wüste, ohne jede greifbare medizinische Hilfe, sich über die leblose Gestalt auf der armseligen Pritsche beugten." Die unmittelbare Todesursache," schrieb Frau Leider, die zur Reisegruppe gehörte, war der Riss einer Hauptschlagader in der Nähe des Herzens. Aber die Lungen, die Leber und das Herz waren allesamt bereits sehr angegriffen, wahrscheinlich seit längerer Zeit. Dazu trugen sicher die andauernden Sorgen bei, die der Bischof von Jerusalem sich in seiner Pflichterfüllung machtee. Ich überhörte, wie bei dieser Gelegenheit gesagt wurde, daß seine Exzellenz möglicherweise ein hohes Alter erreicht hätte, wenn er nicht in den Osten gekommen wäre. Aber das Bischofsamt von Jerusalem wurde ihm zur Dornenkrone, ähnlich wie es bei unserem lieben Meister war." Der Leichnam wurde zunächst nach Kairo gebracht, wo Herr Veitch die Leichenrede aus dem wohl passendsten Text hielt, den man hätte wählen können: So starb Mose, der Knecht des Herrn, daselbst im Lande Moab." (5. Mose 34,5) Am 6. Dezember verließ eine trauervolle Karawane Kairo mit den Gebeinen des Bischofs, was an die traurige Prozession erinnerte, in der die Gebeine Josephs ins Gelobte Land zurückgebracht wurden. Der Leichenzug kam am 20. Tag desselben Monats um 19 Uhr in Jerusalem an and und begab sich sofort zum englischen Friedhof, wo die Gebeine des geliebten und verehrten Prälats bei Fackelschein zur Ruhe gelegt wurden. Pfarrer J. Nicolayson las die Beerdigungstexte und hielt am nächsten Tag in Jerusalem eine Leichenrede. Pfarrer J.B. Cartwright hielt am 28. Dezember in der Kapelle der anglikanischen Juden seine Predigt. Ein Beileidsbrief an Frau Alexander, der von 31 jüdischen Konvertiten in Jerusalem unterzeichnet war, ist ein beredsames Zeugnis dafür, wie sehr die Arbeit des Bischofs die Menschen gesegnet hatte: "Neben Ihnen und Ihren Lieben betrachten wir uns als Haupt-Leidtragende, denn sowohl als Gemeinschaft, wie als Einzelne, haben wir das Gefühl, daß wir nicht nur einen wahren Vater in Christus verloren haben, sondern auch einen lieben Bruder und einen überaus gütigen Freund. Seine sanfte und gütige Art, die ihn bei allen so beliebt machte, und das tiefe kindliche Vertrauen, das er in einem jeden von uns weckte, erhöht unseren Schmerz über seinen Verlust. Seine aufrichtige Liebe zu Israel, die sein besonderes Merkmal war, machte ihn beliebt bei allen, die das Glück hatten, ihn zu kennen, während seine tiefe Frömmigkeit und sein vorbildliches Leben und Reden tiefste Hochachtung erweckten. Er war eine brennende, leuchtende Fackel. Und als er von der Kirche mit hohen Würden bekleidet wurde, verlieh er unserem ganzen Volk und besonders der kleinen Schar jüdischer Gläubigen öffentliche Ehre. Mit ihm ist der hellste irdische Stern im gefangenen Juda untergegangen und der wachsenden hebräischen Gemeinde wurde der Deckstein genommen." Diesen ausdrucksstarken Worten über den gediegenen Charakter des Bischofs muß wohl nichts hinzugesetzt werden. Trotzdem möchten wir sie ergänzen. Viele Freunde gaben ihrer Liebe und Wertschätzung für den Bischof Ausdruck, indem sie für die Witwe und ihre Familie über £3.000 sammelten. Es ist interessant, einen Blick auf die Spenderliste zu werfen, denn sie zeigt, daß der Bischof sowohl bei den Reichen, wie bei den Armen beliebt war. Zu den ersteren zählten Namen wie die Königswitwe Adelaide, der damalige Erzbischof von Canterbury und Armagh, und die Bischöfe von London, Winchester, Ripon, Lichfield, Lincoln, Peterborough, Llandaff, Sodor und Man, und Madras. Der Primas von ganz England sagte, Alexander habe seine kirchlichen Geschäfte mit so viel Diskretion und Klugheit abgewickelt, daß es nie irgend eine Klage unter führenden Persönlichkeiten anderer Gesellschaften in derselben Stadt gab. Er habe deren Respekt und Wertschätzung durch seine Frömmigkeit und Wohltätigkeit erworben, wie auch durch seinen anhaltenden wie gemäßigten Eifer für seinen Aufgabenbereich. Er lebte und arbeitete in ununterbrochener Abhängigkeit vom Heiligen Geist, dessen Einfluß er stets öffentlich bekannte. Wenn er lehrte, machte er seinen Zuhörern klar, daß sie ohne Hilfe des Heiligen Geistes nicht das geringste von göttlichen Dingen verstehen konnten. Das war deutlich in seinen frühen Jahren als Missionar, wie auch in seinen späteren Jahren als Bischof. Seine versöhnliche Art im Umgang mit Juden, seine offensichtliche Liebe für seine Brüder, und seine Gelassenheit, wenn ihm widersprochen wurde, trugen viel dazu bei, die aufgeregte Versammlung bei den Konferenzen in Aldermansbury und die hitzigen Gemüter der Menge in Schönlanke zu besänftigen, als er seine jüdischen Verwandten dort besuchte. Er war kühn und furchtlos in der Verkündigung seiner Botschaft, treu in allem, darauf bedacht, den Namen und die Herrlichkeit seines Meisters zu bezeugen, und seinen Dienst sorgfältig auszuführen, als Missionar und als Bischof. Seine Freunde und Mitarbeiter in Jerusalem liebten ihn wegen seiner gütigen Natur-denn er hatte ein Ohr, ein Herz und einen offenen Geldbeutel für alle-und wegen seiner schlichten Frömmigkeit. Er war in der Tat ein rechter Israelit, in dem kein Falsch war. Er war ein reifer Christ, zielgerichtet und ungekünstelt. Er war eine auffallend interessante Persönlichkeit, zumal er ein Hebräer von Hebräern war, und in seiner bischöflichen Würde ein Bindeglied mit den hebräischen Urchristen in der Stadt, in der das Christentum geboren wurde. Der Bischof ist Verfasser von: Die Hoffnung Israels," 1831; Zions Herrlichkeit," 1839; Die welkende Blume," und Denkschrift über Sarah Alexander," 1841.
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