Micha 5,1

Der Vorwurf der Anti-Missionare:

Dieser Einwand stammt von einem Anti-Missionar bei Christianity Revealed.

Matthäus 2,6 sagt:

„Aber du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste untern den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“

Micha 5,1 sagt:

„Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“

Diese Verse unterscheiden sich sehr. Matthäus übersetzt den Vers nicht genau, er verändert ihn, oder die Änderung erfolgte durch das Konzil von Nicaea und Trient.

Micha sprach vom Sohn des Königs Ahas, vom König Hiskia. Im Hebräischen ist damit der mächtige Gott, der Friedefürst, der wunderbare Ratgeber, der die Herrschaft auf seiner Schulter trägt, wie in Jesaja 9 vorhergesagt, gemeint. Hiskia war der König der Juden, er war gesalbt, und in seinem Land war Frieden für viele Jahre. Er war wahrhaftig der Messias.

HaDavars Antwort:

Der Anti-Missionar behauptet, daß das Zitat aus Micha 5,1 bei Matthäus nicht genau dem Text des Tanach entspricht. Dazu stellen wir fest, daß es nicht nötig ist, dies als Problem anzusehen.

Wir müssen zurückgreifen auf „Die vier Methoden, mit denen die Brith Chadaschah (das Neue Testament) die hebräische Bibel verwendet“. Matthäus war nicht an Genauigkeit interessiert, sondern er wollte eher sein Verständnis von Jeschuas (Jesus) Geburt vermitteln. Er verstand es so, daß ein buchstäblicher Herrscher auseiner buchstäblichen Stadt kommen sollte, und genau das tat Jesus.

Es ist ein Beispiel von Peschat – von buchstäblicher Prophetie und buchstäblicher Erfüllung. Das ist die Auslegungsmethode, die von den Rabbinen am meisten bevorzugt wurde, wie wir uns erinnern, und wie es der Talmud in ‚Schabbat 63A‘ ausdrückt:

Ein Vers darf nicht abweichen von seiner einfachen Bedeutung.“

Er verweist den Leser zurück auf den Tanach, um sein Verständnis zu bestätigen. Diese Stellenangabe, obgleich wörtlich verschieden, stimmt grundsätzlich mit der hebräischen Bibel und der Septuaginta überein.[1] Die Tatsache, daß er die hebräische Bibel nicht wortgetreu zitiert, ist kein Fall von Manipulation des Textes.

Was Matthäus hier vorgenommen hat, ist eine Kombination von Micha 5,1 und 2.Samuel 5,2. Indem er diese beiden Verse miteinander verbindet, bekräftigt Matthäus seine Überzeugung, daß der König, der über Israel herrschen soll, ein König und zugleich ein Hirte ist.[2] Das ist
übrigens der gleiche Gedanke, der 2 Verse später in Micha 5,3 ausgesprochen wird:

„Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist.“[3]

Matthäus hätte sich nicht darum bemüht, Micha 5,1 frei zu übersetzen, wenn der Text ein genaues Verständnis vermittelt hätte. Dieses Ziel der Kommunikation war dadurch erreicht, daß ein buchstäblicher Herscher aus Bethlehem kommen sollte. Der König sollte handeln als Gottes Hirte über Israel, und Jesus ist dieser Hirte und König. Der Leser kann dann selbst in Micha Kapitel 5 nachforschen, um zu entscheiden, ob Matthäus recht hat oder nicht.

Ist nun dieser buchstäbliche Herrscher der Messias oder nicht?

Matthäus ist überzeugt, daß er es ist und daß Jesus diese Person ist. Matthäus kommt nicht allein zu dem Schluß, dieser Vers sei messianisch. Dasselbe meinte auch der Übersetzer des Targums Jonathan:

„Und du, o Bethlehem Ephrath, die du zu klein warst, um unter den Tausenden des Hauses Juda mitgezählt zu werden, aus dir soll vor mir der Messias kommen, um die Herrschaft über Israel auszuüben, dessen Name genannt wurde von der Vorzeit, von den Tagen der Schöpfung her.“[4]

Beachten Sie bitte, daß der Targum Jonathan genau so eine freie Übersetzung von Micha 5,1 ist. Jonathan verstand den Vers als messianisch, und deshalb fügte er die Beschreibung „der Messias“ hinzu, um das Verständnis zu erleichtern. Das ist genau dasselbe, was Matthäus getan hat. Diese Art der freien Wiedergabe steht in Einklang mit jüdischer Kultur und jüdischem Denken des ersten Jahrhunderts. Es ist keine Kirche, die „den Text manipuliert“ hat.

Zusätzlich zum Targum Jonathan wollen wir hören, was der Rabbiner David Kimchi über Micha 2,1 sagte:

„… aus dir soll mir ein Richter kommen, der der Herrscher in Israel ist, und das ist der König Messias.“

Der palästinische Targum übersetzt diesen Vers auf ähnliche Weise:

„Aus dir, Bethlehem, soll der Messias hervorkommen vor mir, um über Israel die Herrschaft auszuüben.“

In den ‚Soncino Books of the Bible‘ wird das Kapitel 5 mit diesen Worten zusammengefaßt:

„Eine Prophetie über den messianischen König und Israels Schicksal unter den Nationen.“

In diesem Kommentar werden die Verse 1-5 überschrieben „Der messianische König“. Der erste Satz des Kommentators, Rabbiner Goldmann, fängt an mit „Diese Prophetie vom Messias …“ Rabbiner Goldmann kommentiert auch die Worte „von Anfang“ (oder „seit uralten Zeiten“), und sagt:

„Möglicherweise entstand durch diese Aussage die spätere jüdische Lehre, daß der Messias in Gottes Gedanken als Teil im Plan des Schöpfers seit undenklichen Zeiten existierte, seit Beginn des Universums. Im Talmud gehört der Name des Messias zu den sieben Dingen, die vor Erschaffung der Welt ins Dasein gerufen wurden.“

Dr. Alfred Edersheim (ein messianisch-jüdischer Gelehrter) stellt dasselbe fest. In seinem Buch The Life and Times of Jesus the Messiah schreibt er, daß dieses Wort seinem Wesen nach messianisch ist, und verweist den Leser an die Pirqe des Rabbi Elieser.

Wir denken, es ist fair zu sagen, das ist eine messianische Prophezeiung. Es ist eine Tatsache, daß die messianische Prophetie von der rabbinischen Literatur gut unterstützt wird.

Aber bezieht sie sich auf Jesus?

Wir meinen ja.

Warum?

Als erstes ist die Sprache, die zur Beschreibung der Herkunft des Herrschers verwendet wird, viel zu kräftig ist, um auf einen Menschen wie Hiskia angewendet zu werden. Wir denken, Rabbiner Goldmanns Ansicht wird durch die Ansicht unterstützt, daß die kräftige Sprache den künftigen Herrscher beschreibt. Dazu benutzt der hebräische Ausdruck, der mit „von Ewigkeit her“ (oder „seit den Tagen der Ewigkeit“) übersetzt wird, die stärksten hebräischen Wörter für ewige Vergangenheit. Diese Wörter werden auch in Psalm 90,2 mit Bezug auf Gott gebraucht. In diesem Psalm wird Gott beschrieben als „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Von Ewigkeit zu Ewigkeit ist die Übersetzung, die die Tanach-Version verwendet. Der Tanach ist die am meisten gebrauchte englische Übersetzung von der Jewish Publication Society. Ihre ältere Übersetzung braucht die Form „immer und ewig“ („everlasting to everlasting“). Die gleiche Ausdrucksweise wird von der personifizierten Weisheit Gottes in Sprüche 8,22-23 gebraucht. Die ältere Version der Jewish Publication Society nimmt den Ausdruck „seit jeher“ („from everlasting“) für die Beschreibung der Weisheit Gottes.

Der Tanach übersetzt die Wörter:

„in ferner Vergangenheit, am Anfang, beim Ursprung der Erde.“[5]

Hiskias Ursprünge sind nicht aus einer ewigen Vergangenheit oder seit der Entstehung der Erde. Hiskai kann hier nicht gemeint sein. Aber nach der Botschaft des Neuen Testaments paßt Jesus zu diesen Angaben, die Beschreibung paßt zu Ihm. Das Neue Testament lehrt, daß Jesus seit ewiger Vergangenheit existiert. Beispiele dazu finden wir in Johannes 1,1 und 1,14.

  • Joh. 1,1
  • „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war dasWort.“

  • Joh. 1,14
  • „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Bei der Erschaffung der Erde war Jeschua dabei. Das Neue Testament sagt aus, daß Er die Erde schuf:

  • Joh. 1,10
  • „„Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht, aber die Welt erkannte ihn nicht.“

Jeschua war da, als die Erde geschaffen wurde. Er existierte von ewiger Vergangenheit an. Genau das lesen wir in Joh. 1.1. Das sagte Jesus auch von sich selbst in Joh. 8,58:

  • Joh. 8:58 (NASB95)
  • „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.“

Er versichert, daß Sein Ursprung in der Ewigkeit ist. Wenn Er das sagt, dann ist Er entweder ein Lügner, ein Verrückter, oder Er ist der Sohn Gottes. Da gibt es keinen Platz dazwischen. Doch die Worte des Neuen Testaments beschreiben keinen Lügner oder Verrückten. Die Worte Jesu und Seine Geschichte haben unzählige Tausende Menschen gesegnet. Das Neue Testament erzählt nicht die Geschichte eines Lügners oder eines Verrückten. Uns bleibt nur die eine Option, daß Jesus der Sohn Gottes ist, der von Ewigkeit her existierte.

Können wir dasselbe von Hiskia sagen? Hiskia kommt der Erfüllung dieser Anforderungen nicht annähernd nach. Auch Matthäus und die anderen jüdischen Autoren des Neuen Testaments waren nicht dieser Meinung. Darum schrieben sie das Neue Testament, weil sie die Sache mit Jesus darstellen wollten. Wir sind nicht allein, wenn wir annehmen, daß Hiskia kein guter Kandidat dafür ist, der Messias zu sein.

So dachte auch Rabbi Joseph in Sanhedrin 99a. Rabbi Joseph befindet sich in einer Diskussion mit Rabbi Hillel, in der es um das Sacharja-Buch geht. Das Gespräch beginnt mit Rabbi Hillels Position:

„Rabbi Hillel sagte: Es wird keinen Messias mehr für Israel geben, denn sie haben sich seiner bereits in den Tagen Hiskias erfreut.“[6]

Mit anderen Worten, Rabbi Hillel sagte, Hiskia war der Messias. Er war gekommen und auch wieder gegangen, und in der Zukunft wird es für Israel keinen Messias mehr geben.

Die Antwort darauf war:

„Rabbi Joseph sagte: Möge Gott ihm vergeben (dafür, daß er so redete).“[7]

Rabbi Joseph war ganz erregt über Rabbi Hillels Ansicht, daß Hiskia der Messias war. Ich tadele ihn nicht dafür, denn Hiskia ist ein schlechter Anwärter darauf, Messias zu sein. Zugegeben, Hiskia war der frömmste König, den Israel jemals hatte, und sein Charakter wird gelobt in 2.Könige 18,5:

„Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, so daß unter allen Königen von Juda seinesgleichen nach ihm nicht war noch vor ihm gewesen ist.“

Jedoch hatte Hiskia im Gegensatz zu seiner Frömmigkeit eine rebellische Strähne von Stolz in seinem Charakter. 2.Chronik 32,24-25 enthüllt diese dunkle Charaktereigenschaft:

„Zu dieser Zeit wurde Hiskia todkrank; und er betete zum HERRN. Der redete mit ihm und tat an ihm ein Wunder. Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war; denn sein Herz überhob sich. Darum kam der Zorn über ihn und über Juda und Jerusalem.“[8]

Hiskia war allzu menschlich und kein guter Kandidat für den Messias. Er rang mit der Sünde, und seine Herkunft war nicht aus einer ewigen Vergangenheit. Jesus ist ein viel besserer Kandidat. Wenn wir sagen, der Ursprung des Messias liegt in der ewigen Vergangenheit, so ist das kein irgendwie heidnischer oder „christlicher“ Ursprung. Der israelische Gelehrte Raphael Patai widmet ein ganzes Kapitel seines Buches The Messiah Texts mit dem Namen „Präexistenz und Namen des Messias“ diesem Thema. Er erklärt den Begriff und bringt dann auf zwei Seiten acht rabbinische Zitate, die den Gedanken der Präexistenz des Messias unterstützen. Das ist kein Gedanke, der dem jüdischen Volke fremd ist. Es ist auch keine „Textmanipulation“ der Kirche. Die Folgen alles dessen sind umwerfend.

Jesus erfüllt die biblischen Vorgaben. Jesus ist unser lange erwarteter Messias.

  1. ^ Jamieson, R., Fausset, A. R., Fausset, A. R., Brown, D., & Brown, D. (1997). A commentary, critical and explanatory, on the Old and New Testaments. On spine: Critical and explanatory commentary. (Mt 2:6). Oak Harbor, WA: Logos Research Systems, Inc.
  2. ^ New Geneva study Bible. 1997, c1995. C1995 by Foundation for Reformation. (electronic ed.) (Mt 2:6). Nashville: Thomas Nelson.
  3. ^ Jewish Publication Society. (1997, c1985). Tanakh: The Holy Scriptures : A new translation of the Holy Scriptures according to the traditional Hebrew text. Title facing t.p.: Torah, Nevi’im, Kethuvim = Torah, Nevi’im, Ketuvim. (Mic 5:3). Philadelphia: Jewish Publication Society.
  4. ^ Huckel, T. (1998). The Rabbinic Messiah (Mic 5:2). Philadelphia: Hananeel House.
  5. ^ Jewish Publication Society (1997, c1985) Tanakh: The Holy Scriptures : A new translation of the Holy Scriptures according to the traditional Hebrew text. Title facing t.p.: Torah, Nevi’im, Kethuvim = Torah, Nevi’im, Ketuvim. (Pr 8:23). Philadelphia: Jewish Publication Society.
  6. ^ The Soncino Talmud (©1973 Judaica Press, Inc. and ©1965, 1967, 1977, 1983, 1984, 1987, 1988, & 1990 Soncino Press, Ltd.) is a product of Judaica Press, Inc. Brooklyn, NY, and, if included, is incorporated herein pursuant to exclusive license.
  7. ^ Ibid.
  8. ^ New American Standard Bible : 1995 update. 1995 (2 Ch 32:24). LaHabra, CA: The Lockman Foundation.