Das Buch des Lukas Ist Ungültig

Der Vorwurf der Anti-Missionare:

Ich verstehe nicht, wieso Sie aus der Schrift des Lukas (der Apostelgeschichte) zitieren. Lukas war

  1. kein Jude und
  2. niemals ein Jünger Jesu.

Er war lediglich jemand mit einer Meinung.

 

HaDavars Antwort:

Lassen Sie mich umschreiben, was Ihr Einwand meiner Meinung nach sagen will.

Sie wollen offenbar sagen, daß das Buch der Apostelgeschichte entweder ungültig oder unzuverlässig ist, weil

  1. es ein Nichtjude geschrieben hat und
  2. weil er nie ein direkter Jünger Jesu war.

Lassen Sie mich zuerst auf den Einwand, daß Lukas kein Jude war, antworten.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß Lukas ein Jude war, viel eher, als daß er ein Nichtjude war. Ich möchte einen Absatz aus dem Neuen biblischen Wörterbuch (New Bible Dictionary) anführen.

LUKAS. Unter den Begleitern des Paulus, die im Kolosserbrief ihre Grüße mitsenden, erscheint „Lukas (griech. Loukas), der geliebte Arzt“ (Kol. 4,14). Die Art, wie er beschrieben wird, läßt darauf schließen, daß er Paulus medizinisch versorgt hat, zweifellos während dessen Gefangenschaft. In Philemon 24, wahrscheinlich zur gleichen Zeit geschrieben, wird er ein Mitarbeiter des Paulus genannt, was anzeigt, daß sich seine Hilfe am Evangelium nicht nur auf sein ärztliches Geschick beschränkte. Es gibt noch eine dritte Stelle, in der er erwähnt wird, die eine der letzten Botschaften des Paulus zu sein scheint: „Lukas ist allein bei mir“ (2.Tim. 4,11), und das bestätigt die enge Verbindung dieser beiden Männer. Allgemein denkt man, daß er ein Nichtjude gewesen sei, jedoch hat E. E. Ellis (auf Seite 51-53) argumentiert, daß sich Kol. 4,11 auf eine besondere Gruppe innerhalb des weiteren Kreises jüdischer Christen bezieht, und daß demzufolge Lukas ein jüdischer Christ aus der Zerstreuung gewesen ist (Betonung von mir).

Die Angabe in Kol. 4,11 kann sich sehr gut auf messianische Juden beziehen, die aus den Pharisäern kamen und an Jeschua gläubig geworden waren. Diese Gruppe glaubte, die Nichtjuden könnten nicht errettet werden, wenn sie zuvor nicht beschnitten würden – darum geht auch die ganze Debatte im Brief an die Galater. Das führte dazu, daß man sie die „Beschneidungs-Partei“ nannte. Die Beschneidungs-Partei erscheint zuerst in Apostel-geschichte 11,1-2:

„Es kam aber den Aposteln und Brüdern in Judäa zu Ohren, daß auch die Heiden Gottes Wort angenommen hatten. Und als Petrus hinaufkam nach Jerusalem, stritten die gläubig gewordenen Juden (wörtl. 'die aus der Beschneidung‘) mit ihm.“1

Die Bezeichnung aus der Beschneidung kann sich nicht auf die jüdischen Christen im allgemeinen beziehen, denn sie waren alle Juden. Jeder einzelne Mann in dieser Versammlung war ein beschnittener Jude, aber hier wird ein Unterschied gemacht, um eine bestimmte Gruppe besonders zu identifizieren. Höchst wahrscheinlich bestand diese Gruppe aus jüdischen Christen, die von den Pharisäern herkamen. Jüdische Christen mit dieser Einstellung eiferten für das mosaische Gesetz und für die jüdischen Traditionen. Das kommt weiterhin zum Ausdruck in Apostelgeschichte 15,5:

„Da traten einige von der Partei der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sprachen: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.“2

Die jüdischen Christen, die hier sprechen, werden insbesondere beschrieben als ehemalige Pharisäer. Schließlich wurden Leute mit dieser Einstellung als Beschneidungs-Partei bekannt, wie wir in Galater 2,12 lesen:

„Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus dem Judentum (wörtl. ‚die aus der Beschneidung‘) fürchtete.“3

Als Paulus folgende Aussage in Kolosser 4,10-11 machte, bezieht er sich wahrscheinlich auf diese Gruppe:

„Es grüßt euch Aristarch, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas – seinetwegen habt ihr schon Weisungen empfangen; wenn er zu euch kommt, nehmt ihn auf! -, und Jesus mit dem Beinamen Justus. Von den Juden (wörtl. ‚aus der Beschnei-dung‘) sind diese allein meine Mitarbeiter am Reich Gottes, und sie sind mir ein Trost geworden.“4

Man nimmt häufig an, daß Paulus hier nur von messianischen Juden spricht und daß er sagen will, es gäbe nur drei jüdische Christen, die mit ihm zusammenarbeiteten. Weil Lukas nicht zu dieser Gruppe gehört, vermutet man, er sei ein Nichtjude gewesen. Das ist aber unwahrscheinlich, denn zu jener Zeit bestand die große Mehrheit derer, die an Jesus als den Messias glaubten, aus Juden.

Das eher wahrscheinliche Szenarium ist, daß es nur wenige Mitarbeiter von den messianischen Juden mit pharisäischem Hintergrund gab. Die Beschneidungs-Partei lehnte die Haltung des Paulus zum Gesetz Moses und zur Beschneidung ab. Schließt man Lukas aus dieser Gruppe aus, so bedeutet das nur, daß er nicht zu den Pharisäern gehörte. Es ist genauso wahrscheinlich, daß Lukas ein Diaspora-Jude war, der durch den Dienst des Paulus zum Glauben kam. Ferner war den Juden „anvertraut, was Gott geredet hat“ (Römer 3,2). Da jedes andere Buch im Neuen Testament von Juden geschrieben wurde, scheint es sehr
gut möglich, daß auch ein Jude damit betraut wurde, die Apostelgeschichte zu schreiben. Ich denke nicht, wir sollten Lukas für einen Nichtjuden halten und sein Werk auf dieser Grundlage verwerfen.

Nun zu der zweiten Ansicht, Lukas sei „nie ein direkter Jünger Jesu“, sondern „nur jemand mit einer Meinung“ gewesen. Ich stimme darin nicht mit Ihnen überein, und ich meine, Easton’s Biblisches Wörterbuch hat es gut so gesagt (Betonung von mir):

LUKAS, EVANGELIUM NACH – wurde von Lukas geschrieben. Er behauptet nicht, ein Augenzeuge des Wirkens Jesu gewesen zu sein, aber die besten Informationsquellen verwendet zu haben, die ihm zugänglich waren, und eine sorgfältige Schilderung der Tatsachen niedergeschrieben zu haben (Lukas 1,1-4).

Sie haben ganz recht, Lukas war kein direkter Jünger Jeschuas, er war ein Schüler von Rabbi Schaul. Aber er forschte sorgfältig nach, wie er uns versichert. Die historische Genauigkeit seines Buches ist heutzutage gut nachzuweisen. Das Neue Biblische Wörterbuch faßt die historische Zuverläassigkeit seiner Arbeit zusammen:

Die historische Glaubwürdigkeit des lukanischen Berichts wurde weitgehend bestätigt durch archäolgische Entdeckungen. Während er apologetische und theologische Interessen hat, läßt er sich nicht abhalten von seiner detaillierten Genauigkeit, obwohl diese seine Auswahl und Darlegung der Tatsachen beherrschen. Er schreibt seinen Bericht im Rahmen der zeitgenössischen Gechichte; seine Seiten sind erfüllt von Hinweisen auf Verwaltungsbeamte, Provinzgouverneure, Vasallenkönigen und ähnlichem, und diese Aussagen erweisen sich immer wieder als genau richtig für den Ort und die Zeit, von der sie handeln. Mit einem Minimum an Wörtern übermittelt er das wahre Lokalkolorit der so sehr verschiedenen Städte, die in seiner Geschichte vorkommen. Und seine Beschreibung der Reise des Paulus nach Rom (Apostel-geschichte 27) ist bis auf den heutigen Tag eines der bedeutendsten Dokumente zur antiken Seefahrt.5

Mir scheint, Lukas ist mehr als ein Kerl, der nur seine eigene Meinung von sich geben will. Lukas hat sorgfältig und genau geforscht, und sein Werk hat die Prüfung der Zeit und eine objektive Analyse bestanden. Seinem Bericht über das Leben Jesu und die Anfangsjahre der messianischen Juden können wir vertrauen.

 

1 New American Standard Bible: 1995 Update. LaHabra, CA: The Lockman Foundation
2 New American Standard Bible: 1995 Update. LaHabra, CA: The Lockman Foundation
3 New American Standard Bible: 1995 Update. LaHabra, CA: The Lockman Foundation
4 New American Standard Bible: 1995 Update. LaHabra, CA: The Lockman Foundation
5 Wood, D. R. W., Wood, D. R. W., & Marshall, I. H. (1996, c1982, c1962). New Bible Dictionary. Includes index. (electronic ed. of 3rd ed.) (Page 11). Downers Grove: InterVarsity Press.