Während der Tanach uns den Beweis liefert für die komplexe, unteilbare Einheit Gottes, lehrt er doch niemals einen Polytheismus, also mehrere Götter. Aber die Tatsache, daß diese Einheit komplex und unteilbar ist, bleibt offensichtlich bestehen, sogar in Aussagen, die betonen, daß es nur einen Gott gibt, wie zum Beispiel im Sch’ma. Hier ist die Übersetzung von 5.Mose 6,4:
Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein.1
Die Tanach-Übersetzung der Jewish Publication Society enthält eine Fußnote zu 5.Mose 6,4, die wir wegen ihrer Wichtigkeit anführen wollen. Sie lautet:
Vgl. Raschbam und Ibn Ezra. Siehe Sacharja 14,9 und andere „Der HERR unser Gott, der HERR ist einer.“2
„Der HERR, unser Gott, der HERR ist einer.“ Das ist die klassische Übersetzung dieses Verses. Sie betont Gottes Einheit, indem sie die wörtliche Bedeutung des Wortes „ein“ verwendet, das eine numerische Bedeutung hat. Die numerische Bedeutung drückt eine Anzahl aus. So sagt die Encyclopedia Judaica (EJ):
Das Sch’ma ist im jüdischen Denken die höchstmögliche Bestätigung der Einheit Gottes und wird häufig genannt ‚die Annahme des Jochs des himmlischen Königreichs.‘ Die ursprüngliche Bedeutung dieses ersten Verses dürfte gewesen sein, daß Gott einer ist im Gegensatz zu den heidnischen Göttern, die verschiedene Erscheinungsformen und Aufenthaltsorte haben. Zuerst wurde die Hauptbedeutung des Sch’ma darin gesehen, daß es in Opposition zum Polytheismus stand; es gibt nur einen Gott, nicht viele Götter.3
Der Vers scheint gegen eine komplexe, unteilbare Einheit Gottes zu sprechen. Aber in Wirklichkeit unterstützt er dieses Konzept auf mehrfache Weise. Zunächst erscheint er in der Übersetzung in der Einzahl: „Der HERR, unser Gott“. Aber die eigentliche Form des Wortes für Gott steht im Plural: „Der HERR, unsere Götter …“ Zweitens ist das wichtigste Wort, das wir betrachten müssen, das letzte Wort, übersetzt mit „einer“ (wörtlich) oder mit „allein“ (wie oben). Das hebräische Wort lautet echad. Der Bedeutungsumfang dieses Wortes enthält den klaren und unmißverständlichen Sinn von einer komplexen Einheit.
Ein Beispiel finden wir in 1.Mose 2,24. Dort wird gesagt, wenn zwei Personen (ein Mann und eine Frau) heiraten, dann werden sie „ein Fleisch“ (bassar echad). Zusätzlich zu dem oben erwähnten Auszug fährt die Encyclopedia Judaica fort und zitiert weitere Interpretationen dieses Verses. Die interessanteste betrifft das rabbinische Werk, das Zohar genannt wird:
Sehr merkwürdig sind die Hinweise, die im Zohar zu den drei göttlichen Namen im ersten Vers des Sch’ma gegeben werden. Sie repräsentieren die Einheit der drei Kräfte in der Gottheit, nämlich die S‘firot der Barmherzigkeit, des Gerichts und der Schönheit (Chessed, G‘wurah, Tif’eret). Sie werden symbolisiert durch die Farben weiß, rot und grün, oder durch die S’firot der Weisheit, des Verständnisses und der Schönheit (Chochmah, Binah, Tif’eret; Zohar 1:18b, 3:263a). Der Zohar ist absichtlich streng anti-christlich und betont wiederholt, daß alle zehn S’firot eine Einheit mit Ein Sof darstellen.4
Drei Kräfte, drei Farben, drei S’firot – noch mehr „Dreieinigkeiten“. Erstaunlich! Dann fährt die Encyclopedia Judaica fort und sagt, der Zohar gebe sich Mühe, „immer wieder zu betonen, daß alle zehn S‘firot eine Einheit sind mit Ein Sof. Der Zohar scheint sich vorzustellen, daß Gott eine komplexe, unteilbare Einheit sein kann mit zehn identifizierbaren S’firot.“
Hier sind drei weitere, kurze Beispiele:
Über das Wort (Elohim) sagt Simeon Ben Joachi: ‚Komm und sieh das Geheimnis des Wortes (Elohim) – da gibt es drei Grade, und jeder Grad ist für sich selbst allein, und doch sind sie alle eins und miteinander verbunden in einem, und nicht voneinander getrennt.‘ 5
… Die Einheit wird ausgedrückt in dem Satz: ‘Höre, Israel, TETRAGRAMMATON Elohenu TETRAGRAMMATON ist einer.‘ Diese drei sind einer … 6
Genauso ist es bei dem Geheimnis der dreifachen göttlichen Offenbarungen, festgelegt durch
die drei Anreden TETRAGRAMMATON Elohenu TETRAGRAMMATON, die jedoch eine Einheit bilden. 7
Ist also die Vorstellung von der Dreieinigkeit ein heidnischer Begriff? Wir denken nicht so. Gibt es in der Bibel einen Beweis für eine komplexe, unteilbare Einheit in der Gottheit? Der Schreiber des Zohar schien so zu denken. Die Aussagen im Zohar klingen so, als ob sie direkt aus der Brith Chadaschah kommen. Wenn der Zohar „absichtlich streng antichristlich“ ist, dann spricht er gegen ein Mißverständnis, das die Brith Chadaschah tatsächlich lehrt. Wir geraten fortgesetzt in dieses falsche Verständnis. Das Mißverständnis sieht man am meisten im Gebrauch des Wortes „getrennt“. Die Brith Chadaschah lehrt nicht, es gäbe drei von- einander getrennte, göttliche Personen – drei Götter (wie Saadjas Mißverständnis, das oben genannnt wurde). Das Neue Testament lehrt, daß es nur einen Gott gibt. Dieser eine Gott ist eine komplexe, unteilbare Einheit von drei unterscheidbaren Persönlichkeiten.
1 Ibid, 5.Mose 6,4
2 Ibid
3 Encyclopedia Judaica, CD ROM Edition (Jerusalem, Israel: Keter Publishing House Jerusalem Ltd. 1972)
4 Ibid
5 The Treasure of Scripture Knowledge: Five Hundred Thousand Scripture References and Parallel Passages, Introduction by R. A. Torrey (Oak Harbor: Logos Research Systems, Inc., 1995), Electronic edition
6 Soncino Zohar, CD ROM Edition (Schemoth, Raja Mehemna), p. 43b
7 Ibid