Der Fluch Über Jechonja (Jojachin)

Der Vorwurf der Anti-Missionare:

Ein weiterer Einwand der Anti-Missionare lautet so:

Jesus kann nicht der Messias sein, denn Matthäus gibt uns seine Abstammung an. Aber die dort angegebene Linie ist verflucht durch den Fluch über Jechonja (Matthäus 1,11-12), der uns in Jeremia 22,24-30 (Konja = Jechonja) berichtet wird.

 

HaDavars Antwort:

Das stimmt, viele Ausleger haben den Fluch über Jechonja übersehen. Jeschua konnte nicht der Messias/König sein, wenn er von Jechonja abstammte.

Matthäus versucht offensichtlich zu beweisen, daß Jeschua nicht – ich wiederhole: nicht! – der Sohn Josephs ist. Er ist Gottes Sohn, nicht Josephs. Kein verfluchtes Blut Josephs fließt in den Adern Jeschuas. Denn wenn Er ein Abkömmling Josephs gewesen wäre, hätte Er kein König sein können.

Die meisten Kommentatoren behaupten, Matthäus habe das Anrecht Jeschuas auf den Thron zu beweisen versucht, Ich glaube aber, das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Ausleger, die den Fluch über Jechonja erkennen, sagen, Jeschua sei Josephs Adoptivsohn gewesen, und dadurch wurde der Fluch über Jechonja außer Kraft gesetzt. Sie sagen, Jeschua habe ein legales Recht auf den Thron durch Adoption gehabt. Das ist aber nicht stichhaltig, denn eine legale Adoption wurde im ersten Jahrhundert im Judentum nicht praktiziert.

Die Encyclopedia Judaica enthält einen Artikel, der den Gedanken der Adoption in der jüdischen Gemeinschaft darlegt:

Encyclopedia Judaica, CD-ROM Edition: ADOPTION
Der Beweis für Adoption in der Bibel ist so unbestimmt (vage), daß manche der Meinung sind, so etwas wurde in der biblischen Zeit nicht praktiziert.

Der Nachweis einer Adoption in vorexilischer Zeit ist … mager. Die Möglichkeit einer Adoption in dieser Zeit kann nicht ausgeschlossen werden, insbesondere, weil zeitgenössische, legale Dokumente fehlen. Wenn jedoch Adoption irgendeine Rolle in den israelitischen Familien-Institutionen spielte, dann scheint es eine ganz unbedeutende gewesen zu sein.

Für die nachexilische Zeit in Israel gibt es überhaupt keinen zuverlässigen Beweis für Adoption.

Späteres jüdisches Recht

Im jüdischen Recht ist Adoption nicht als legale Institution bekannt. Nach der Halachah ist die persönliche Rechtsstellung von Eltern und Kind nur auf der natürlichen, familiären Beziehung begründet, und es wird keine Methode anerkannt, die diese Stellung künstlich durch eine gesetzliche Handlung oder Erfindung herbeiführen kann. Aber das jüdische Gesetz sorgt vor für Konsequenzen, die grundlegend denen ähnlich sind, die durch eine Adoption mit gesetzlichen Mitteln erfolgen.

Diese Konsequenzen sind das Recht und die Pflicht einer Person, die Verantwortung zu übernehmen für a) das körperliche und seelische Wohl eines Kindes sowie b) für seine finanzielle Stellung einschließlich Erbschafts- und Unterhaltsangelegenheiten.

Diese Information macht uns deutlich, daß Joseph leicht die Verantwortung für Jeschua übernehmen konnte. Joseph war gesetzlich ermächtigt, für Jeschua zu sorgen und Sein körperliches, seelisches und finanzielles Wohl zu überwachen. Das würde aber Jeschua nicht dazu qualifiziert haben, durch Joseph den Thron Davids zu übernehmen. Matthäus beweist, daß Jeschua nicht Josephs Sohn war. Um das Königtum Jeschuas rechtskräftig zu machen, sollte keine Adoption notwendig sein. Die Tatsache, daß es zwei Stammbäume gibt, einen für Maria und einen für Joseph, müssen wir nach mehreren Gesichtspunkten beurteilen.

  1. Der Ursprung der Stammbäume.

    Es gibt zwei Quellen für die Stammbäume. Lukas verfolgt die Linie durch Nathan (Lukas 3,31) und Matthäus durch Salomo (Matthäus 1,6). Eine Quelle gilt für Maria und eine für Joseph.

  2. Vergleichen Sie die Stammbäume.

    Die Linien sind sehr verschieden, sie führen unterschiedliche Namen an. Einige Namen sind dieselben, wie Schealtiel und Serubbabel. Aber Schealtiel und Serubbabel sind bei Lukas andere Personen als bei Matthäus. Das wird ersichtlich, weil die Vorfahren und Abkömmlinge von Schealtiel und Serubbabel verschieden sind. Vorfahren sind Jechonja in Matthäus und Neri bei Lukas. Die Nachkommen sind Abihud in Matthäus und Resa in Lukas. Gewöhnliche Namen in derselben Folge, besonders wenn dies die kürzeste, mögliche Folge (zwei) ist, bedeuten nicht, daß sie dieselben Personen sind.

  3. Der Name Josephs wird in beiden Stammbäumen besonders hervorgehoben.

    Lukas 3,23 korrigiert einen allgemeinen Irrtum. Menche Leute dachten irrtümlich, daß Jeschua Josephs Sohn war. Darum berichtigt Lukas diesen Irrtum, indem er im griechischenText sorgfältig feststellt, daß „Jeschua für einen Sohn Josephs gehalten wurde“. Eine andere berechtigte Übersetzung wäre „man dachte, er sei ein Sohn Josephs.“ Beide Übersetzungen sind grammatisch gerechtfertigt. Lukas stellt fest, daß Jeschua ein Nachkomme Elis war (Lukas 3,23).

    Wer ist Eli? Er ist Marias Vater. Warum nennt Lukas Marias Vater als Vorfahr? Weil er der strengen, jüdischen Tradition folgt, wonach Frauen in einem Stammbaum nicht genannt werden. Bei Lukas wird nicht eine Frau erwähnt, im Gegensatz zu Matthäus.

    Hierin liegt das Problem bei Lukas. Er kann nicht sagen, Joseph sei Jeschuas Vater; er muß diesen Irrtum berichtigen, und das tut er. Andererseits kann er Maria nicht erwähnen, denn sie ist eine Frau. Darin folgt er der jüdischen Tradition. So nennt er Marias Vater. Wir haben dafür ein Beispiel in Esra 2,16 und Nehemia 7,63. Deshalb hebt Lukas den Namen Josephs hervor, um sicherzustellen, daß der Leser des griechischen Texts versteht, daß Joseph nicht Jeschuas Vater ist. Lukas verfolgt die Linie der Maria, die zurückgeht auf David durch Nathan.

    Nun wollen wir zu Matthäus kommen. Auch Matthäus hebt den Namen Joseph hervor. Er sagt uns, daß Joseph der Ehemann Marias war. Er sagt nicht, Joseph sei der Vater Jeschuas gewesen, sondern, daß Jeschua von Maria geboren wurde. So verfolgt Matthäus die Abstammungslinie des Joseph. Aber er will damit zeigen, daß Joseph nicht der Vater Jeschuas ist.

    Das ist genau das Gegenteil von dem, was die meisten christlichen Kommentatoren lehren. Leider können sie die Abstammungsliste bei Matthäus nicht mit jüdischen Augen ansehen.

Gut, aber wie ist es mit der Verfolgung der Linie zurück zu Salomo anstatt zu Nathan?

  1. Für jüdische und christliche Gemeinschaften gibt es dasselbe Problem.

    Wenn die messianische Abstammungslinie auf Salomo zurückgehen muß, dann haben beide Gemeinschaften sich mit einer Linie zu beschäftigen, die unter einem Fluch steht. Auch der Anti-Missionar muß das Problem des Fluches über Jechonja lösen, wenn er darauf besteht, der Messias müssen ein Abkomme Davids durch Salomo sein. Aber eine Kehrtwendung löst das Problem auch nicht für uns. Die Rückverfolgung der Linie bis zu ihrem Ursprung beantwortet die Frage nicht. Wie geht die anscheinend dem Salomo verheißene Linie stattdessen über Nathan?

  2. Der davidische Bund ist bedingungslos für David, aber bedingt für Salomo.

    Ich denke, die Lösung des Problems ist wirklich ganz einfach. Um sie zu finden, müssen wir uns alle Aussagen ansehen, die den davidischen Bund betreffen. Schlüsselstellen, die gewöhnlich nicht beachtet werden, sind 1.Chronik 22,6-13 und 1.Chronik 28,7.

    In 1.Chronik 22,6-13 erfahren wir, wie David den davidischen Bund verstanden hat. Er blickt zurück auf die Verheißung, die Gott ihm gegeben hat, und beauftragt Salomo mit dem Bau des Tempels in Vers 6-12.

    In Vers 13 sagt David zu Salomo:

    „Dann aber wird es dir gelingen, wenn du die Gebote und Rechte befolgst, die der HERR dem Mose für Israel geboten hat. Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und laß dich nicht erschrecken!“

    Seine Ankündigung an Salomo ist bedingt: „Dann wird es dir gelingen, wenn …“. Wir müssen uns fragen: „Hat Salomo das mosaische Gesetz sorgfältig gehalten?“ Die Antwort kommt in 1.Könige 11,9:

    „Der HERR aber wurde zornig über Salomo, daß er sein Herz von dem HERRN, dem Gott Israels, abgewandt hatte, der ihm zweimal erschienen war.“

    Salomo versagte in der gewissenhaften Nachfolge des HERRN und wurde bestraft. In 1.Chronik 28 erklärt David erneut sein Verständnis des davidischen Bundes. Die wesentliche Aussage steht in Vers 7, wo David Gott zitiert.

    Gott sagt:

    „Ich will sein Königtum bestätigen ewiglich, wenn er daran festhält, zu tu nach meinen Geboten und Rechten, wie es heute geschieht.“

    Beachten Sie hier wiederum den Faktor einer Salomo betreffenden Bedingung: „Ich will bestätigen … wenn …“. Mir scheint, daß David den davidischen Bund für bedingt hält hinsichtlich Salomo. Erfüllte Salomo entschieden das mosaische Gesetz?

    Nein. – 1.Könige 11,9.

    Abschließend haben wir in 1.Könige 9,3 Gottes Verheißung und Warnung an Salomo. Hier seien die Verse 4-7 hinzugefügt, wo Gott zu Salomo spricht:

    „Und du, wenn du vor mir wandelst, wie dein Vater David gewandelt ist, mit rechtschaffenem Herzen und aufrichtig, daß du alles tust, was ich dir geboten habe, und meine Gebte und meine Rechte hältst, so will ich bestätigen den Thron deines Königtums über Israel ewiglich, wie ich deinem Vater David zugesagt habe: Es soll dir nicht fehlen an einem Mann auf dem Thron Israels. Werdet ihr euch aber von mir abwenden, ihr und eure Kinder, und nicht halten meine Gebote und Rechte, die ich euch vorgelegt habe, und hingehen und andern Göttern dienen und sie anbeten, so werde ich Israel ausrotten aus dem Lande, das ich ihnen gegeben habe, und das Haus, das ich meinem Namen geheiligt habe, will ich verwerfen von meinem Angesicht; und Israel wird ein Spott und Hohn sein unter allen Völkern.“

    Beachten Sie Gottes Bewertung des davidischen Bundes. Gestatten Sie mir zu umschreiben, was Gott sagen will:

    „Salomo, wenn du vor mir richtig wandelst, dann will ich DEIN Königtum für immer bestätigen, wie ich David versprochen habe; aber wenn du oder deine Söhne das nicht tun, dann will ich euch mit Gericht überschütten.“

    Oder lassen Sie’s mich noch anders sagen:

    „Salomo, wenn du vor mir richtig wandelst, dann wird die Verheißung an David, der davidische Bund, durch deine Dynastie erfüllt werden; wenn nicht, dann wird der davidische Bund nicht durch dich zur Erfüllung gelangen.“

    Wir wissen bereits, daß Salomo bei der richtigen Einhaltung des mosaischen Gesetzes versagte (1.Könige 11,9), aber versagte auch noch irgendein anderer Sohn? Mehrere von ihnen versagten darin. Auf Salomo folgten in Juda 20 Könige. Von ihnen waren 13 schlechte Könige, und nur 7 waren fromm. Jechonja, der 19. König, war einer der schlimmsten. Er war so böse, daß Gott den Jechonja-Fluch über ihn aussprach.

Nach 1.Könige 9, würde ich noch einmal sagen, daß der daividische Bund bedingungslos ist in Bezug auf David. Er ist aber an Bedingunbgen geknüpft, was Salomo und seine Nachkommen angeht. Gott wird seine Verheißungen an David erfüllen, nämlich daß sein Herrscherhaus, Thron und Königtum ewigen Bestand haben sollen. Das wird aber nur durch Salomos Linie der Fall sein, wenn Salomos Linie auch dessen würdig ist. Salomos Linie war nicht würdig, und so wurde sie folgerichtig abgeschnitten mit dem Fluch über Jechonja.

Wenn ich recht habe mit dieser Annahme, auf welchen Nachfolger ging die Vererbungslinie dann über? Darüber sagt der Tanach nichts. Die Lösung kommt erst in der Brith Chadaschah. In der Abstammungsliste des Lukas sehen wir, daß die Linie auf Nathan überging (Lukas 3,31). Auf Nathan und seinen Nachkommen ruht keine Last einer Bedingung. Das hat zur Folge, daß Gott Seine bedingungslose, ewige Verheißung an David durch Nathan und schließlich durch Jeschua erfüllt. Jeschua wurde von Joseph nicht adoptiert. Es bestand keine Notwendigkeit, das zu verlangen. Jeschua hat ein legales Anrecht auf den Thron Davids nach der Abstammungslinie der Maria. Durch Nathan stand seinem Königtum kein verfluchter Vorfahr als Hindernis im Wege.