Der Sohn Gottes

Die Vorstellung von einem Sohn Gottes geht aus Sprüche 30,4 hervor. Dessen Autor ist ein bescheidener Mann, der eine lange, eifrige, aber ergebnislose Suche nach der Erkenntnis des Heiligen (Adjektiv Plural) unternommen hat. Nun stellt er sechs Fragen.

Die ersten vier Fragen sind rhetorisch, denn die Antwort ist einleuchtend:

Wer ist hinaufgefahren zum Himmel und wieder herab?
Wer hat den Wind in seine Hände gefaßt?
Wer hat die Wasser in ein Kleid gebunden?
Wer hat alle Enden der Welt bestimmt?1

Die offensichtliche Antwort auf diese Fragen ist Gott, Gott, Gott und Gott. Der Schöpfer und Erhalter dieser Welt ist Gott. Es folgt die fünfte Frage.

Wie heißt er?2

Im jüdischen und biblischen Denken kann der „Name“ von jemandem oder von irgendetwas den Charakter der Person oder das Wesen des Gegenstandes beschreiben. Der Autoer fragt hier entweder „Was ist der persönliche Name Gottes?“ oder „Wie kann man Gottes Charakter beschreiben?“ Die Antwort auf diese fünfte Frage wäre entweder JHWH oder Ausdrücke, die Gottes Charakter erkennen lassen. Uns wird eine Wahl überlassen, doch die Antwort ist einfach.

Die sechste Frage ist allerdings nicht so einfach.

Und wie heißt sein Sohn? Weißt du das?3

Es sieht so aus, als ob Gott einen Sohn hat, obwohl sein Name oder seine charakteristischen Merkmale noch nicht offenbart worden sind. Denken Sie daran, daß Gottes Offenbarung fortschreitend erfolgt. Sie enthüllt sich Schritt für Schritt im Laufe der Zeit, so wie sie in der Bibel entfaltet wird. Die volle Offenbarung über den Sohn geschieht durch die Propheten und findet ihren Höhepunkt in der Brith Chadaschah. Eine komplexe, unteilbare Einheit in der Gottheit bleibt weiterhin eine ernst zu nehmende Möglichkeit.

 


1 Tanakh: The Holy Scriptures, Proverb 30:4
2 Ibid
3 Ibid