Mit den Begriffen des Gottessohnes und des Gott-Menschen hängt der Begriff der sichtbaren Offenbarung der Herrlichkeit Gottes zusammen. In der Bibel begegnen uns solche Ausdrücke wie:
Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf und sahen den Gott Israels. Unter seinen Füßen war es wie eine Fläche von Saphir und wie der Himmel, wenn es klar ist.1
Und die Herrlichkeit des HERRN war anzusehen wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel des Berges vor den Israeliten. 2
In dem Jahr, als der König Usia starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten die ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“3
In diesen Beispielen offenbart sich Gott so, daß er für die Menschen sichtbar wird. Wie schon früher erwähnt, behandelt Bleich’s Buch dreizehn Grundsätze, die für den jüdischen Glauben fundamental sind. Der dritte Grundsatz ist Unkörperlichkeit. Dies bedeutet den Zustand oder die Qualität eines Wesens, das körperlos oder immateriell ist. Auch Rabbi Albo behandelt dieses Thema und merkt dazu an:
Die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes ereignet sich mit Hilfe eines Körpers, der für die Sinne sichtbar wird, wie zum Beispiel ein Feuer oder eine Wolkensäule … ein verzehrendes Feuer … eine Wolke … der Engel des HERRN … eine Feuerflamme … die Herrlichkeit des HERRN, die den Propheten erschien, ging von Gottes eigenen Wesen aus …4
Mit anderen Worten, Gott kann dem Menschen erscheinen. Er tut das, indem er einen Körper nach seiner eigenen Wahl gebraucht. Die oben angeführten Kommentare sind insofern interessant, als sie genau das äußern, was auch das Neue Testament sagt.
In Johannes 1,14 steht, das Wort Gottes „schechina-te“ (wohnte, zeltete) unter uns. Johannes behauptet in diesem Vers, daß Jeschua eine Form der Schechina-Herrlichkeit Gottes ist. Er stellt fest, die Schechina sei auf diese Weise offenbart worden, damit uns Gott der Vater „erklärt“ würde. Um es in Rabbi Albos Worten zu sagen:
Die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes ereignet sich mit Hilfe eines Körpers, der für die Sinne sichtbar wird … die Herrlichkeit des HERRN, die den Propheten erschien, ging von Gottes eigenem Wesen aus.5
Das ist genau das, was die Brith Chadaschah in Johannes 1 lehrt und was uns auch über die Verklärung Jesu berichtet wird (Matthäus 17,1-6; Markus 9,1-8). Der Beweis für eine komplexe, unteilbare Einheit ist weiterhin vorhanden. Gott kann sich auf jede Weise offenbaren, die er für passend hält, sei es ein Feuer, eine Wolke oder ein menschlicher Körper.
1 Tanakh: The Holy Scriptures, Exodus 24:9-10
2 Ibid, Exodus 24:17
3 Ibid, Isaiah 6:1-3
4 Bleich, p.198
5 Ibid