Ich Habe Christus Nicht Umgebracht!

Der Vorwurf der Anti-Missionare:

Ein üblicher Einwand von Seiten der Anti-Missionare lautet etwa so:

Ich will nicht mit Christen Gemeinschaft haben, die die Juden verfolgt haben und ihnen vorwarfen, Christus-Mörder zu sein. Christen hassen die Juden und machen uns auch heute noch verantwortlich für den Tod Jesu.

 

HaDavars Antwort:

In diesem Artikel möchte ich mich mit einer ständigen Streitfrage befassen, die uns begegnet, wenn wir mit Juden zu tun haben. Das ist die Beschuldigung: „Die Juden haben Christus ermordet.“ Theologisch gesprochen nennen wir das die Anklage des „Deicids – des Gottesmordes.“ Diese Anklage macht das jüdische Volk allein, universell und permanent für den Tod Jeschuas (Jesu) verantwortlich. Mit anderen Worten:

  1. Das jüdische Volk einzig und allein ist verantwortlich für den Tod Jesu.
  2. Jede jüdische Person ist allumfassend (universell) schuldig; und
  3. Die jüdische Gemeinschaft wird für immer (permanent) dieses Verbrechens schuldig sein.

Muß ich da noch darauf hinweisen, daß viele Juden das Evangelium ablehnen, selbst ohne es je gehört zu haben, als Reaktion darauf, daß sie allein und für alle Zeit verantwortlich sein sollen für den Tod Jeschuas? Leider wurde diese Beschuldigung über Jahrhunderte gehegt und gepflegt. Sie wird noch heute als biblische Wahrheit gelehrt. Ich sah eine Statistik, die angibt, daß 75 % der konservativen Protestanten glauben, die Juden seien für immer schuld an der Tötung Jeschuas.1 Das hat ein zweifaches Resultat zur Folge:

  1. Den Antisemitismus, der die jüdisch-christlichen Beziehungen für Jahrhunderte verdorben hat, und
  2. Die jüdische Ablehnung des Evangeliums.

Zwei Theologen, Augustin und Johannes Chrysostomus, hatten einen unauslöschlichen Einfluß auf die Theologie. Augustin (354-340 AD) erklärte, die Juden seien von Gott gekennzeichnet worden, als sie Christus ermordeten, und darum können sie nicht vernichtet werden. Ihre Zerstreuung und Not dient zum Zeugnis gegen sie wegen ihrer bösen Tat. Johannes Chrysostomus (344-407 AD) stellte fest:

„[Die Juden] sind die verräterischen Mörder Christi … Die Juden sind die abscheulichen Mörder Christ … Es ist die Pflicht aller Christen, die Juden zu hassen.“

Auch Martin Luther schrieb den leidenschaftlichen, antisemitischen Aufsatz „Über die Juden und ihre Lügen“. Er beschuldigte die Juden, daß sie leiden müßten wegen „ihrer Sünde, daß sie Jesus gekreuzigt haben“. 2 Einige moderne Bibellehrer und Pastoren verfechten diese Lehre immer noch. Ist diese Anschuldigung biblisch? Ist ihr jüdischer Arzt, Nachbar, Verwandter, Mitarbeiter usw. schuldig, Ihren Heiland ermordet zu haben?

Ich möchte eine Anzahl von Beweisen aus der Bibel vorbringen, die diese Anschuldigung als das zu erkennen geben, was sie wirklich ist – als einen verheerenden Irrtum, der 2000 Jahre lang eine Annäherung der Christen an die Juden verhindert hat. „Ist jeder Jude persönlich und für alle Zeiten verantwortlich für den Tod Jeschuas?“ Die Antwort auf diese Frage lautet einfach und bestimmt: „Absolut nicht!“ Wenn das die Antwort auf die Frage ist, wer ist dann verantwortlich für den Tod des Sohnes Gottes? Gibt es keine Konsequenz dafür, daß die Juden Jeschua verworfen haben?

Die Grundlage unseres Denkens muß sein, was die Bibel zu dieser Frage zu sagen hat. Wenn das nicht so ist, dann werden wir unser Leben anhand von menschlichen Gefühlen oder Ideen ordnen, die absolut falsch sein können und uns betrügen. Das kann verheerende Konsequenzen haben, wie die Geschichte uns zeigt. Ich will bei der Besprechung dieses Themas folgende Punkte erörtern:

  1. Die sieben Parteien, die für den Tod des Messias verantwortlich sind;
  2. Die Folgen der jüdischen Ablehnung Jeschuas als Messias, und
  3. Die Ursache des jüdischen Leidens durch die Jahrhunderte hindurch.

Lassen Sie mich anfangen mit den beteiligten sieben Parteien, indem wir von einem groben Überblick ausgehen und dann zu den Einzelheiten kommen.

DIE ERSTE PARTEI: GOTT

In der weitestgehenden Perspektive ist die erste, Verantwortung tragende Partei Gott selbst. Das mag für manche Leute einen Schock bedeuten. Aber die Bibel lehrt, daß Gott allwissend und allmächtig ist. Nichts, absolut nichts, kann Ihn überraschen. Nichts, absolut nichts, ist jemals gewesen, ist jetzt oder wird sein, das Er auch nur für einen Moment nicht unter Kontrolle hat, von der größten Galaxie im Himmel bis zum kleinsten, subatomaren Teilchen.

„Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unbegreiflich ist, wie er regiert“ (Psalm 147,5; s.auch Jesaja 40,28; 46,10, und Römer 11,33-34).

Übereinstimmend mit dieser Lehre der Bibel lesen wir in Apostelgeschichte 2,23, daß Jeschua „durch Gottes Ratschluß und Vorsehung dahingegeben“ und getötet wurde. Weiterhin berichtet Apostelgeschichte 4,27-28, daß der Tod des Messias etwas war, „was deine Hand und dein Ratschluß zuvor bestimmt hatten, daß es geschehen solle.“ Sein Tod war von Anfang an von Gott geplant. Darum konnten die Schriften der Propheten im voraus von den Leiden des Messias reden. Jeschua bestätigte diesen Voraussagungsfaktor, wenn er sagte: „Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen“ (Lukas 24,44; s.auch Jesaja 52,13-53,12 und Johannes 3,16). Somit übernimmt Gott die Verantwortung für den Tod Jeschuas.

DIE ZWEITE PARTEI: SATAN

Die zweite Partei, die für den Tod Jeschuas verantwortlich ist, ist Satan. Der Ursprung von Sünde und Rebellion wird im Innersten von Gottes schönstem und intelligentestem Geschöpf gefunden. Satan wird in Hesekiel 28 mit diesen großartigen Worten beschrieben:

„Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön (V.12) … Du warst ein glänzender, schirmender Cherub (V.14) … Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir deine Missetat gefunden wurde (V.15).“

Die Missetat, die in Satan gefunden wurde, wird in Jesaja 14,13-14 geoffenbart:

„Du aber gedachtest in deinem Herzen: »Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhren, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten.«“

Satan begehrte eine größere Stellung als die, die er bereits besaß. Er wollte die Engel beherrschen an der Stelle von Michael, dem Erzengel. Satan wollte Israel regieren als der Messias/König. Er wollte die Herrlichkeit erlangen, die nur Gott zu eigen ist, und am Ende wollte er sich Gottes selbst bemächtigen. Satan breitete seine ruchlose Selbstsucht auf die Menschheit aus in 1.Mose 3. Dort verhieß Gott, daß er durch den kommenden Messias gerichtet würde, in 1.Mose 3,15:

„Der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“

Von diesem Augenblick an wußte Satan, daß es nur einen Weg gab, um dem Gericht Gottes zu entgehen: er mußte den kommenden Messias vernichten. Dieses unerbittliche und doch vergebliche Ziel wird anschaulich enthüllt in Offenbarung 12,4b:

„Und der Drache trat vor die Frau,die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße.“

Nach dem Zusammenhang ist der Drache Satan, die Frau ist Israel und das Kind ist Jeschua. Als Jeschua starb, dachte Satan, er habe den Messias erfolgreich gefressen. Aber alles, was Satan zuwege brachte, war die Erfüllung der Prophetie von 1.Mose 3,15 und die Sicher-stellung seiner eigenen Verdammnis.

DIE DRITTE PARTEI: DIE WELT

Die dritte, für den Tod Jeschuas verantwortliche Partei ist die Welt. Ich möchte die Schrift selbst dazu sprechen lassen, denn sie ist sehr deutlich.

Johannes 7,7: „Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber haßt sie, denn ich bezeuge von ihr, daß ihre Werke böse sind.“

Johannes 15,18: „Wenn euch die Welt haßt, so wißt, daß sie mich vor euch gehaßt hat.“

Das böse Weltsystem, das der Fürst dieser Welt beherrscht, steht in Opposition zu Gott, zu Seinem Messias und zu denen, die „im Messias“ sind. Demzufolge hat die Welt Jeschua verfolgt (Johannes 15,20). Die höchste Stufe des Verabscheuens, Beschimpfens und der Grausamkeit bestand in der Ermordung des heiligen Sohnes Gottes. Aber Jeschua überwand und verurteilte die Welt durch Seinen Tod am Kreuz (Johannes 12,31-33). Jeschua wird das Gericht vollstrecken, wenn Er wiederkommt.

DIE VIERTE PARTEI: DIE RÖMER

Die Römer sind die vierte Partei, die für den Tod Jeschuas die Verantwortung trägt. In Apostelgeschichte 2,23 faßt Petrus den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung des Messias zusammen und erklärt dabei die römische Herrschaft für schuldig. Die Regierung der Römer und ihre Repräsentanten werden mit dem Etikett „gottlose Menschen“ versehen. Apostelgeschichte 2,23 sagt:

„Diesen Mann (Jeschua), der durch Gottes Ratschluß und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht.“

In Apostelgeschichte 4,27 macht Petrus diesen Zusammenhang besonders deutlich, indem er die daran beteiligten Amtspersonen beim Namen nennt. Darüber hinaus wird klar, daß die Römer die gesamte heidnische Welt im weitesten Sinne repräsentieren. Hier lesen wir:

„Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Isrels.“

Hier sehen wir das Geheimnis der Allwissenheit Gottes und des menschlichen freien Willens. Apostelgeschichte 2,23 sagt, daß der Tod Jeschuas nach dem vorbestimmten Plan geschah. Gott wußte alles darüber. Wegen Seines Vorherwissens wurde Er dadurch nicht überrascht. Darüber hinaus werden gleichzeitig die Menschen verantwortlich gemacht für ihre bewußten Entscheidungen, für Entscheidungen, die den göttlichen Plan zur Ausführung bringen mußten. Beide Lehren werden in der Bibel gelehrt, und beide muß man in gleicher Weise bestätigen. Ich denke, es ist klar geworden, daß der Tod des Messias ein sehr komplexes Ereignis ist. Dabei kann das Judentum keineswegs zu dem einzigen, willkommenen Sündenbock gemacht werden.

DIE FÜNFTE PARTEI: DAS JÜDISCHE VOLK

Das jüdische Volk ist die fünfte Partei, die für den Tod Jeschuas verantwortlich ist. Das ist wahr, daß die jüdische Gemeinschaft einen Teil der Verantwortung am Tode Jeschuas übernehmen muß. In Apostelgeschichte 2 redet Petrus auch die „Männer von Israel“ an (Vers 22). Die Zuhörer werden beschrieben als eine „Menge“ (Vers 6) von „gottesfürchtigen Männern aus allen Völkern unter dem Himmel“ (Vers 5). Er warf diesen gottesfüchtigen Männern vor: den Messias „habt ihr … ans Kreuz geschlagen“. Die Verantwortung dafür war nicht nur auf die religiösen Führer beschränkt. Die Last der Verantwortung wird auch in Apostelgeschichte 4,27 klar gemacht. Dort bekennt die Gemeinde der jüdischen Christen, daß sich die Israeliten „versammelt“ haben „gegen deinen heiligen Knecht Jesus.“ Israel muß also einen gehörigen Anteil an Verschuldung in diesem abscheulichen Verbrechen anerkennen.

DIE SECHSTE PARTEI: JESCHUA

Zur Überraschung für manche Leute ist auch Jeschua selbst für Seinen Tod verantwortlich. In Johannes 10,1-18 identifiziert Er sich selbst als der „Gute Hirte“, der Sein Leben läßt für die Schafe (Vers 11 und 15). Und dies alles geschieht völlig unter Seiner Kontrolle, in Seiner Macht und nach Seinem Begehr.

„Ich lasse mein Leben (Kreuzigung), daß ich’s wiedernehme (Auferstehung)“ (Vers 17).

„Ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen“ (Vers 18).

Jeschua übernimmt selbst eine angemessene Verantwortung für das Geschehen am Kreuz.

DIE SIEBENTE PARTEI: SIE

Die siebente Partei, die für den Tod Jeschuas verantwortlich ist, sind Sie. Daran haben Sie vielleicht noch nie gedacht. Die Bibel sagt aber, daß Jeschua starb für Ihre persönliche Sünden und für meine persönlichen Sünden. Jeder von uns ist persönlich verantwortlich für das, was unserem Heiland und Erretter geschah. Sie und ich, wir „ermangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten“ (Römer 3,23). Sie und ich, wir haben gesündigt. Sie und ich waren der Sünde hilflos versklavt. Er starb für uns trotz der Tatsache, daß Sie und ich Ihn an dieses Kreuz bringen würden, denn Er hat uns lieb.

Römer 3,23:
„Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.“

Römer 4,25:
„Welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt.“

Römer 5,6:
„Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben.“

Römer 5,8:
„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Der Grund, warum ich meine Zeit mit der Behandlung dieses Themas zugebracht habe, liegt in der oft wiederholten, antisemitischen Bemerkung: „Die Juden haben Christus getötet.“ Antisemiten haben für Jahrhunderte die Verkündigung des Evangeliums an die Juden dadurch gelähmt, daß sie den Juden diese nur zum Teil wahre Beleidigung ins Gesicht geschleudert haben. Es ist ungenau, die ganze jüdische Gemeinschaft für ein Ereignis verantwortlich zu machen, das viel tiefgründiger und komplexer ist. Satan hat mit Erfolg eine hartnäckige Barriere im jüdischen Denken errichtet, indem er diese Anschuldigung benutzt.

Wenn Sie Ihren Glauben einem jüdischen Freund bezeugen, dann seien Sie sicher, daß Sie Ihre Hausaufgaben getan haben, falls diese Fragen an Sie herantreten. Erklären Sie ihm die wahre Tendenz dieser Streitfrage und erkennen Sie Ihre Verantwortlichkeit ebenso an. Dann erklären Sie ihm die Tiefe der Liebe Gottes, durch Jeschua, zu ihm. Wie wir gesehen haben, ist es ungenau und zerstörerisch, ausschließlich die ganze jüdische Gemeinschaft für ein Ereignis verantwortlich zu machen, das viel tiefgründiger und komplexer ist.

DIE KONSEQUENZEN

Hier taucht aber noch eine weitere Frage auf, die es zu beantworten gilt.

„Wenn die Juden nicht allein verantwortlich sind für den Tod Jeschuas, welche Konsequenzen haben sie dann zu tragen für die Rolle, die sie bei Seiner Ablehnung als Messias spielten?“

Die Konsequenz für die Ablehnung Jeschuas als Messias bestand in der Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahre 70 AD durch die Römer. Dieses Urteil wurde durch die religiöse Führerschaft in Israel ausgelöst. Sie verwarfen Jeschua als Messias, wobei sie behaupteten, Er sei von einem Dämon besessen (Matthäus 12,24). Sie lästerten den Heiligen Geist und brachten damit ein unvermeidliches Gericht über das jüdische Volk (Matthäus 12,31).

Das Gericht wird als unvermeidlich bezeichnet, weil das Urteil nicht aufgehoben oder abgemildert werden kann. Das führt mich zur Definition der „nicht zu vergebenden Sünde“, die sich aus dem Zusammenhang von Matthäus 12 herleitet. Eine richtige Definition, wie sie nach diesem Kapitel von Dr. Fruchtenbaum von Ariel Ministries kurz dargelegt wird, ist folgende:

Die unvergebbare Sünde besteht in der Verneinung, daß Jeschua der Messias ist, während Er sich körperlich auf dieser Erde befand, und zwar mit der Begründung, Er sei von einem Dämon besessen.

Was ist das Urteil, das nicht aufgehoben oder abgemildert werden kann? Für die Antwort müssen wir uns den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem ansehen nach Lukas 19,37-44. Als Jeschua Seinen Einzug in Jerusalem beginnt, begrüßen Ihn die Massen jubelnd mit dem traditionellen Messias-Gruß von Psalm 118,26: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!“ Die Menge begrüßt Ihn als den Messias. Wenn es jemals eine passende Zeit gab, das oben erwähnte Gerichtsurteil wegen Seiner Ablehnung aufzuheben, dann wäre es jetzt an der Zeit gewesen. Aber anstatt dieses Urteil aufzuheben, verkündigt Jeschua nun Gerichtsworte (Lukas 19,41-44). Die Stadt Jerusalem wird verdammt trotz der lauten Begrüßungsrufe. Das Gericht konnte nicht aufgehoben und auch nicht abgemildert werden. Dieselbe Aussage macht Jeschua in Matthäus 23,37-39, wo Er ankündigt, daß die Stadt und der Tempel („euer Haus“) zur Zerstörung bestimmt sind.

Zusammenfassend möchte ich zweierlei festellen:

  1. Die unvergebbare Sünde kann heutzutage von niemandem begangen werden. Sie war beschränkt auf die Generation in den Tagen Jeschuas, und
  2. Die Bestrafung für die Ablehnung des Messias Jeschua ist abgeschlossen. Sie fiel auf die jüdische Gemeinschaft des ersten Jahrhunderts und wird nicht wieder vorkommen.

Bitte erzählen Sie keinem Juden, daß die Leiden, die wir in den vergangenen 2.000 Jahren durchmachen mußten, eine Folge der damaligen Ablehnung Jeschuas seien. Die Leiden in diesen 2.000 Jahren haben einen anderen Grund.

DER GRUND DES JÜDISCHEN LEIDENS

Nun verlangt die letzte Frage eine Antwort. „Wenn der Grund für das jüdische Leiden nicht die Ablehnung Jeschuas als Messias ist, was ist dann die Ursache für die 2.000 Jahre Verfolgung und Zerstreuung?“

Die Antwort auf dieses Frage ist einfach. Die jüdische Gemeinschaft erfährt die Flüche des mosaischen Bundes. Lassen Sie mich das erklären. Der erste Bund, den Gott mir dem jüdischen Volke schloß, ist der bedingungslose und ewige Bund mit Abraham (1.Mose 12,1-3.7; 13,14-17; 15; 17). 430 Jahre später (Galater 3,17) fügte Gott den mosaischen Bund hinzu, einen vorübergehenden und bedingten Bund, der Israel Verantwortung übertrug. 3.Mose 26 und 5.Mose 28 sind die Abschnitte die die Segnungen und Flüche dieses Bundes enthalten. Die Segnungen werden das Ergebnis eines Wandels im Glauben an Gott sein. Wenn Israel aber nicht im Gauben wandelt, dann ist Bestrafung angekündigt.

Die Bestrafung wird umso strenger, je mehr der Unglaube sich fortsetzt. Sie fängt an mit Armut und wird nach und nach schärfer, indem Krankheiten, Dürre, Niederlagen, Kannibalismus und Unterjochung hinzukommen. Schließlich kommt es zur härtesten Züchtigung, nämlich zu weltweiter Zerstreuung (5.Mose 28,64-68; 3.Mose 26,33-39). In dieser weltweiten Zerstreuung soll Israel das verachtetste Volk der Erde werden. Seine Deporteure werden spöttisch über Israel reden und es lächerlich machen. Die folgenden Verse aus 5.Mose 28,64-66 sagen das jüdische Leiden während der letzten 20 Jahrhunderte voraus:

„Denn der HERR wird dich zerstreuen unter alle Völker von einem Ende der Erde bis ans andere, und du wirst dort anderen Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter: Holz und Steinen. Dazu wirst du unter jenen Völkern keine Ruhe haben, und deine Füße werden keine Ruhestatt finden. Denn der HERR wird dir dort ein bebendes Herz geben und erlöschende Augen und eine verzagende Seele, und dein Leben wird immerdar in Gefahr schweben; Nacht und Tag wirst du dich fürchten und deines Lebens nicht sicher sein.“ (siehe auch 3.Mose 26,31-39).

Leider lebt das jüdische Volk weiterhin im Unglauben und Ungehorsam, und heutzutage sind neunzig Prozent Atheisten oder Agnostiker. Neun Prozent folgen der Religion des rabbinischen Judentums, was eine von Menschen gemachte Religion ist, die Jeschua als Messias ablehnt. Weniger als ein Prozent weltweit vertraut auf Jeschua.

Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß die weltweite jüdische Gemeinschaft unter den Auflagen des mosaischen Gesetzes und im Unglauben lebt. Die Folge davon ist die Erfahrung der weltweiten Zerstreuung und Züchtigung, und das war die Erfahrung der Juden in den vergangenen 2.000 Jahren.

WIE MAN DIESE INFORMATIONEN VERWENDEN KANN

Ich habe Ihnen das alles mitgeteilt, um Ihnen zu helfen, Ihren Glauben vor einem jüdischen Freund zu bezeugen. Zweck der Antwort auf die vorliegende Frage ist es, Ihnen dabei behilflich zu sein, wenn Sie Ihren jüdischen Freunden klarmachen wollen, daß Jeschua nicht die Ursache des Leidens ist. Machen Sie ihnen vielmehr klar, daß Jeschua die Ursache der Erlösung ist. Er ist der Weg, der aus dem Kreislauf von Unglauben, Ungehorsam und Leiden herausführt, in dem wir uns selbst verstrickt finden. Er bietet Israel geistliche Erlösung von der Sünde an, und Er bietet auch körperliche Erlösung von den Flüchen des mosaischen Bundes an. Am wichtigsten ist, daß Sein Angebot der Erlösung auch heutzutage für den einzelnen Menschen gilt.

Joel 3,5 sagt: „Wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden.“ Wenn die hier behandelte Streitfrage zwischen Ihnen und Ihrem jüdischen Freund auftaucht, rücken Sie ab von jeglicher Unterstützung der Anklage des „Deicids“. Geben Sie zu, daß es Christen gibt, die diesen Irrtum gelehrt haben und immer noch lehren; aber sagen Sie, daß weder Ihre Kirche noch Sie selbst das anerkennen. Fahren Sie fort und erklären Sie, daß der Tod des Messias eine tiefgründige und komplexe Angelegenheit ist, die man nicht auf eine so vereinfachende Anklage reduzieren kann. Wenn der Freund dafür offen ist, nehmen Sie ihn mit auf ein kurzes Bibelstudium (den vorliegenden Artikel), und zeigen Sie ihm, was tatsächlich im Neuen Testament steht. Lassen Sie das Wort Gottes, die Wahrheit, und Ihre Liebe das Werk in seinem oder ihrem Herzen tun.

 

1Rydelnik, Michael, "The Chosen People," April 1987, p.6
2Ibid