Jesus Wurde Unrein

Der Vorwurf der Anti-Missionare:

Jesus kann nicht rein (und somit sündlos) gewesen sein, denn Er berührte Aussätzige und unreine, tote Menschenkörper. Beim Berühren von Aussätzigen wurde Er nach dem mosaischen Gesetz unrein, also hielt Er das mosaische Gesetz nicht vollkommen ein und kann deshalb nicht der Messias sein.

 

HaDavars Antwort:

Die Tatsache, daß Jesus einen Aussätzigen berührte – einen unreinen Körper – disqualifiziert Ihn nicht davon, der Messias zu sein. Das ist insbesondere so im Licht der rabbinischen Lehre über den „aussätzigen Messias“, die von Jesaja 53 hergeleitet wird. Der Kontakt mit „Aussatz“ war erforderlich, um der Messias zu sein, sozusagen eine beglaubigende Qualifikation. Nach Raphael Patai (The Messiah Texts, Seite 17) lautet der Name des Messias in Verbindung mit Jesaja 53,4: „Der Aussätzige vom Lehrhaus.“

Der Babylonische Talmud, Sanhedrin 98b, sagt zu Jesaja 53,4:

„… Was ist der Name [des Messias] ? – Die Schule von Rabbi Schela sagte: Sein Name ist Schilo, denn es steht geschrieben (1.Mose 49,10) ‚bis daß der Held (hebr. schiloh) komme‘. Die Schule von Rabbi Jannai sagte: Sein Name ist Jinnon, denn es steht geschrieben (Psalm 72,17) ‚Sein Name bleibe ewiglich; solange die Sonne währt, blühe (hebr. jinnon) sein Name‘. Die Schule von Rabbi Chanina behauptete: Sein Name ist Chanina, wie geschrieben steht (Jeremia 16,13) ‚weil ich euch keine Gnade (hebr. chaninah) mehr erweisen will‘. Andere sagen: Sein Name ist Menachem, der Sohn von Hiskia, denn es steht geschrieben (Klagelieder 1,16) ‚denn der Tröster (hebr. menachem), der meine Seele erquicken sollte, ist ferne von mir‘. Die Rabbinen sagten: Sein Name ist ‚der aussätzige Gelehrte‘, wie es in Jesaja 53,4 geschrieben steht: ‚Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt (hebr. nagua‛, von näga‛ = [Aussatz]plage) und von Gott geschlagen und gemartert wäre‘. 1

Des weiteren lesen Sie Rafael Patais The Messiah Texts Seite 31 sowie die Geschichte vom Baal Schem Tow und dem aussätzigen Messias:

[An einem Freitag nachmittag reiste ein junger Talmudgelehrter mit dem Baal Schem in einem Wagen über offenes Feld], als er auf einmal in der Ferne ein Dorf entdeckte. Er freute sich, denn er dachte, sie würden den Sabbat sicherlich dort verbringen und nicht unter freiem Himmel. Doch in dem Augenblick, in dem sie in das Dorf hineinfuhren, siehe, da lief das Pferd von selbst durch das Dorf hindurch und hielt an keinem Hause an. Darüber wurde der junge Mann betrübt, denn [es schien so] nach alledem würden sie wohl den Sabbat über nicht in dem Dorf bleiben. Aber als das Pferd das Ende des Dorfes erreicht hatte, hielt es an vor einer Ruine. Der junge Mann dachte nun, sie würden den Sabbat in der Ruine zubringen, denn das war immer noch besser als auf dem Felde zu bleiben. Der Baal Schem betrat die Ruine, und der junge Mann folgte ihm. Und siehe, in dem verfallenen Hause wohnte ein alter Mann, ein Aussätziger. An seinem Körper gab es von Kopf bis Fuß keinen gesunden Fleck,so voll war er von Wunden und Geschwüren. Seine Frau und seine Kinder liefen in zerrissenen und zerlumpten Kleidern herum. Als der Baal Schem die Tür öffnete, war der alte Mann voller Freude, lief dem Baal Schem entgegen und sagte zu ihm: „Friede sei mit dir, mein Herr und Lehrer!“ Und wer die Freude, die sie hatten, nicht gesehen hat, der hat in seinem Leben nie Freude gesehen. Dann gingen sie in einen separaten Raum und sprachen dort miteinander etwa eine halbe Stunde lang. Danach nahmen sie Abschied voneinander und trennten sich in heißer Liebe, wie die Liebe zwischen David und Jonathan war. Und dann nahm der Baal Schem wieder seinen Platz in dem Wagen ein, und das Pferd trabte weiter, wohin es wollte …

[Auf dem Heimweg fragte der junge Mann den Baal Schem: „Was war die Bedeutung der] Freude, welche die Begegnung mit dem alten Aussätzigen bei euch beiden verursachte? …“ Und der Baal Schem sagte zu ihm: „… Mit dem, was zwischen mir und dem alten Mann in dem Dorf geschehen ist, hat es folgende Bewandtnis: Es ist bekannt, daß in jeder Generation ein Messias in dieser Welt ist, in Wirklichkeit, in einen Körper gekleidet. Und wenn die Generation würdig ist, dann ist er bereit, sich selbst zu offenbaren; wenn sie aber, Gott verhüte es, nicht würdig sind, dann geht er fort. Und siehe, dieser alte Mann war bereit, unser wahrer Messias zu sein, und es war sein Begehren, sich meiner Gemeinschaft am Sabbat zu erfreuen. Aber ich sah voraus, daß er beim dritten Mahl [das am Ausgang des Sabbats eingenommen wird) fortgehen würde, und ich wollte am Sabbat keinen Schmerz ertragen müssen [und darum nahm ich Abschied, ehe der Sabbat begann].“

(Kadaner, Sefer Sippurim Noraim, Seiten 9a-b, 10b)

In dieser Geschichte ist der Messias-Kandidat ein Aussätziger. Also wiederum, der Kontakt mit Aussatz ist eine Qualifikation für den Messias, keine Disqualifikation. Patai behandelt den aussätzigen Messias weiter auf Seite 24:

Auch später fand die chassidische Überlieferung den Messias in unbekannten und verborgenen Heiligen. Unter ihnen ist der aussätzige Messias, auf den sich der Talmud bezieht (s. Kapitel 2) und dem der Baal Schem Tow 1500 Jahre später begegnet sein soll.

Ferner gibt es in der Bibel keinen Bericht, daß ein wirklich Aussätziger von einem Menschen geheilt wurde. Eine Anzahl von Aussätzigen wurde geheilt: Moses (2.Mose 4,6-7), Mirjam (4.Mose 12,9-15), Naaman (2.Könige 5,1-19), aber sie alle wurden direkt durch Gottes Hand geheilt. Jeschua berührte einen Aussätzigen, doch das war ein Akt der Heilung (Matthäus 8,1-3, Markus 1,40-43, Lukas 5,12-13) und nicht der Verunreinigung.

Offensichtlich hat Er Aussätzige auch geheilt, ohne sie zu berühren (Matthäus 11,4-5, Lukas 17,12-19).

Da es keinen Bericht von der Aussätzigenheilung durch Menschen (2.Könige 5,7) und da es keinen biblischen Bericht von einer Heilung oder Behandlung gibt, ist die Folgerung aus diesen Heilungen, daß Jeschua Gott in einem menschlichen Körper ist. Es gibt dadurch für Ihn keine Disqualifikation, der Messias zu sein.

In seinem Buch The Rabbinic Messiah bringt Rev. Tom Huckel eine andere rabbinische Lehre ans Licht, die die Reinigung von Aussatz mit dem Messias in Verbindung bringt:

Babylonischer Talmud, Sanhedrin 97a zu 3.Mose 13,13.
… Es ist gelehrt worden, daß Rabbi Nehemia sagte: In der Generation, in der der Messias kommt, wird die Unverschämtheit zunehmen, die Achtung voreinander wird pervertiert, der Wein wird seine Frucht tragen, doch er wird teuer sein, und das Königreich wird in Ketzerei verwandelt werden, aber niemand wird das beanstanden. Das unterstützt Rabbi Isaak, der sagte: Der Sohn Davids wird nicht kommen, bis die ganze Welt bekehrt ist zu dem Glauben der Ketzer. Raba sagte: Welcher Vers [beweist das]? „Weil alles an ihm weiß geworden ist; er ist rein.“ (3.Mose 13,13).

Die Fußnote im Talmud erklärt die rabbinische Idee und lautet:

Leviticus XIII,13. Das bezieht sich auf Aussatz; eine weiße Geschwulst ist ein Symptom der Unreinheit; wenn jedoch die ganze Haut davon betroffen ist, so wird sie für rein erklärt. So ist es auch hier; wenn alle Ketzer sind, dann ist das ein Zeichen dafür, daß die Welt im Begriff ist, durch die Ankunft des Messias gereinigt zu werden.

Hier ist wiederum die Reinigung vom Aussatz, geistig und körperlich, mit dem Kommen des Messias verbunden.

Und noch einmal bezüglich Psalm 95,7:

Babylonischer Talmud, Sanhedrin 98a zu Psalm 95,7.
… Rabbi Joschua ben Levi traf Elias, wie er am Eingang der Grabstätte von Rabbi Simeon ben Jochais stand. Er fragte ihn: „Habe ich einen Anteil an der kommenden Welt?“ Er antwortete: „Wenn dieser Herr es wünscht.“ Rabbi Joschua ben Levi sagte: „Ich sah zwei, aber ich hörte die Stimme eines dritten.“ Dann fragte er ihn: „Wann wird der Messias kommen?“ „Geh hin und frage ihn selbst,“ war seine Antwort. „Wo sitzt er“? „Am Eingang.“ „Und an welchem Zeichen werde ich ihn erkennen?“ „Er sitzt unter den armen Aussätzigen: Sie alle lösen ihre Verbände auf einmal, und sie legen ihre Verbände auch wieder miteinander an. Er hingegen löst und erneuert den Verband für jeden gesondert [ehe er den nächsten behandelt] und denkt dabei: Sollte ich gebraucht werden [wenn es für mich an der Zeit ist, als Messias aufzutreten], dann darf ich keine Verspätung haben [weil ich noch eine Anzahl Wunden zu verbinden habe]. … Das ist es, was er zu dir sagt: „Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet!“ (Psalm 95,7b).2

Hier sitzt der Messias unter Aussätzigen und wartet auf seine Ankunft in Israel.

Schlußfolgerung: Die Verbindung mit Aussatz und dessen Heilung ist eine Qualifikation für den Messias, aber keine Disqualifikation.

 

1Huckel, T. (1998). The Rabbinic Messiah (Is 53:4). Philadelphia: Hananeel House.
2Huckel, T. (1998). The Rabbinic Messiah (Ps 95:7). Philadelphia: Hananeel House.