Juda und der Messias

Juda und der Messias

Die Versammlung der Stämme – 1.Mose 49,1-2

Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Versammelt euch, daß ich euch verkünde, was euch begegnen wird in künftigen Zeiten. Kommt zuhauf und höret zu, ihr Söhne Jakobs, und höret euren Vater Israel.“

Jakob versammelt seine Söhne absichtlich an seinem Sterbebett, um ihnen eine Botschaft zu übermitteln.

In Vers 1 wird uns klar gesagt, daß Jakob über Dinge sprechen möchte, die „in künftigen Zeiten“ (oder „in den letzten Tagen“) geschehen werden. Das projiziert Jakobs Kommentar in die ferne Zukunft.

Meistens, abhängig vom Textzusammenhang, bezieht sich die Redewendung „in den letzten Tagen“ auf das Ende des Zeitalters, in dem wir jetzt gerade leben, und das seinen Höhepunkt erreichen wird mit der Aufrichtung des messianischen Königreichs. Fast alle alten, jüdischen Ausleger vertreten gleichfalls diesen Standpunkt.1

Nachmanides, Sforno und Rambam stimmen darin überein, daß Jakob den Lauf der Zeit bis zur messianischen Zeit überblickt; er sieht voraus bis zur Errichtung des messianischen Reiches.

Ähnlich sieht es der Midrasch Rabbah zur Genesis:

… Isaak forderte Esau auf und wollte ihm das Ende offenbaren, aber der Heilige, gelobt sei Er, verbarg es vor ihm, wie geschrieben steht: „Er [Isaak] rief Esau, seinen älteren Sohn“ (1.Mose 27,1). Auch Jakob wollte seinen Söhnen das Ende offenbaren, denn es heißt: „Versammelt euch, daß ich euch verkündige, was euch begegnen wird am Ende der Tage“ (1.Mose 49,1).

In der Fußnote fügt der Midrasch hinzu: Wenn der Messias kommen soll. Das ist ein Beweis durch Entsprechung, denn „rief, berief“ steht sowohl von Isaak als auch von Jakob geschrieben, also hatten beide dieselbe Absicht.

Andere Beispiele umschließen den Midrasch Rabbah Genesis 49, 2.Version, 5.

UND JAKOB BERIEF SEINE SÖHNE (1.Mose 49,1): Warum berief er sie? Um ihnen das Ende zu offenbaren [die messianische Erlösung].

Midrasch Rabbah, Genesis XCVIII,2:

… Die Rabbinen sagten: Er war im Begriff, ihnen das Ende [die messianische Erlösung] zu offenbaren, aber es war ihm verborgen. R. Judah sagte im Namen von R. Eleazar ben Abina: Zwei Männern wurde das Ende offenbart, um aber wieder vor ihnen verborgen zu werden, und das sind Jakob und Daniel. Daniel: „Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch“ (Daniel 12,4). Jakob: „Was euch begegnen wird in künftigen Zeiten.“

Hier sagt die Fußnote im Midrasch: Anzeigend, daß das Buch – das Geheimnis der messianischen Ankunft – bis dahin für ihn geöffnet gewesen war.

Targum Pseudo-Jonathan:

Dann berief Jakob seine Söhne und sagte zu ihnen: Reinigt euch von Unreinheit, und ich will euch die verborgenen Geheimnisse erzählen, die geheim gehaltene Zeit des Endes, … sobald das Datum des Endes, an dem der König Messias erscheint, ihm offenbart wurde, wurde es sofort wieder vor ihm verborgen. Darum sagte er, anstatt das Datum bekanntzugeben: „Kommt, und ich will euch verkündigen, was euch begegnen wird in künftigen Zeiten.“

(Der Targum sieht in dem hebräischen Ausdruck be‘acharit hajjamim „am Ende der Tage“ einen Hinweis auf die Ankunft des Messias. Gewiß ist das überhaupt nichts weiter als reine Spekulation, und es ist ein klassisches Beispiel, wie ein Vers benützt werden kann, um unsere eigenen Glaubensvorstellungen zu unterstützen. In diesem Fall verwendet ihn der Targumist zur Unterstützung für den traditionellen jüdischen Standpunkt, daß niemand versuchen soll, die Zeit der messianischen Ankunft zu berechnen.)

Fragmentarischer Targum zum Pentateuch:

… Denn er offenbarte ihnen allen, was am eigentlichen Ende geschehen sollte, zur Zeit des Messias. Aber sobald es ihm offenbart war, wurde es wieder vor ihm verborgen. So erhob sich Jakob und segnete sie, jeden nach seinem Verdienst.

(Die versuchte Enthüllung der Ankunftszeit des Messias durch Jakob und ihre plötzliche Zurückziehung werden besprochen in Genesis Rabbah 98:2.)2)

Mit anderen Worten, Gott offenbart dem Jakob die zukünftige Geschichte seiner Nachkommen. Die Söhne Jakobs versammeln sich um sein Sterbebett als die Repräsentanten der 12 Stämme. Sie repräsentieren das ganze jüdische Volk, denn die Offenbarung geht weit über dieses Dutzend Männer hinaus. Sie faßt die Charakteristiken des ganzen jüdischen Volks zusammen von der Zeit Jakobs bis zum messianischen Königreich.

Für diejenigen, die den Gedanken von den „letzten Tagen“ mehr in den Einzelheiten studieren möchten, fügen wir hier eine Liste an mit Bibelstellen, die dafür in Betracht kommen: Jesaja 2,2; Hosea 3,5; Johannes 6,40; Apostelgeschichte 2,17; 2.Timotheus 3,1; 2.Petrus 3,3; Judas 18; Hesekiel 30,2; Joel 1,15; Sacharja 14,7; Joel 3,2; Micha 4,1; 2.Timotheus 3,1; Hebräer 1,2; 4.Mose 24,14; Joel 3,1; 1.Timotheus 4,1; Hebräer 1,1; Jakobus 5,9; 1.Johannes 2,18; Jeremia 48,47; 1.Mose 49.

Die ersten Ankündigungen Jakobs sind negativ. Drei seiner Söhne, drei Stämme, werden von einer Führerschaft in Israel disqualifiziert. Sie sind dazu nicht tauglich wegen ernsthafter, charakterlicher Schwächen, die sie nicht ablegen konnten.

Jakobs Aufmerksamkeit richtet sich zuerst auf seinen ältesten Sohn Re’uben in Vers 3-4.

 


1 Scherman and Zlotwitz, Gen. Eds., Artscroll Tanach Series, Bereishis Vol. 6, (Brooklyn, NY: Mesorah Publications, 1978), p. 2131
2 Huckel, T. The Rabbinic Messiah (Gen. 49:1)., (Philadelphia: Hananeel House, 1998).