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Juda – 1.Mose 49,8-9

„Juda, du bist’s! Dich werden deine Brüder preisen. Deine Hand wird deinen Feinden auf dem Nacken sein, vor dir werden deines Vaters Söhne sich verneigen. Juda ist ein junger Löwe. Du bist hochgekommen, mein Sohn, vom Raube. Wie ein Löwe hat er sich hingestreckt und wie eine Löwin sich gelagert. Wer will ihn aufstören?“

Juda, der vierte Sohn, war der erste, der einen reichen und ungetrübten Segen empfing, einen Segen der Vormachtstellung und Macht. Judas Name bedeutet „gepriesen“. 1 Jakob sagte für den Stamm Juda eine Zukunft voraus, die ihn als den überragenden Sohn und den prominenten Stamm darstellt. Es ist eine Verheißung der Führerschaft, des Sieges und der Stabilität des Stammes.2 In der kommenden Stammesgeschichte sollte Juda alles das werden, was sein Name anzeigte; der Stamm sollte gepriesen werden. In Vers 8 wird Juda als ein siegreicher Kriegsherr beschrieben. Er kehrt aus der Schlacht nach Hause zurück und wird von seinen Brüdern mit Lobeshymnen begrüßt.

Diese Lobeshymnen zeigen, daß Judas Führerschaft und Vormachtstellung bestätigt werden durch seine Siege über die Feinde Israels und durch seine Herrschaft über seine Brüder. Davids militärische Siege können zusammengefaßt werden in einem Psalm, den er schrieb, um Gott zu preisen für seine Ermächtigung zum Triumph in der Schlacht. Von den 51 Versen, aus denen 2.Samuel 22 besteht, sprechen die Verse 38-41 sehr eindrücklich von Davids und damit Judas Erfolg.

„Meinen Feinden jagte ich nach und vertilgte sie, und ich kehrte nicht um, bis ich sie umgebracht habe. Ich brachte sie um und habe sie zerschmettert, daß sie nicht mehr aufstehen können; sie sind unter meine Füße gefallen. Du hast mich gerüstet mit Stärke zum Streit; du kannst mir unterwerfen, die sich gegen mich erheben. Du hast meine Feinde zur Flucht gewandt, daß ich vernichte, die mich hassen.“

Judas Herrschaft über seine Brüder wird auch noch durch andere Faktoren offenbar. Fünf Charakteristiken betonen seine Vormacht.3 1) Juda war der Erste unter den Stämmen. Als Gott einen Zensus anordnete, bei dem alle kriegstüchtigen, ab 20 Jahre alten Männer erfaßt werden sollten, führt Juda die Liste mit 74.600 an (4.Mose 1,27; 2,4). Vierzig Jahre später wird die nächste Generation erneut gezählt, und Juda führt die Liste immer noch an mit 74.500 geeigneten Männern. 2) Juda war der Erste in der Marschordnung. Er führte den Zug Israels an erster Stelle an (4.Mose 2,3-4; 10,13-14). 3) Juda war auch der Erste, der um das verheißene Land kämpfte (Richter 1,1-2).

„Nach dem Tod Josuas befragten die Israeliten den HERRN und sprachen: Wer soll unter uns zuerst hinaufziehen, Krieg zu führen gegen die Kanaaniter? Der HERR sprach: Juda soll hinaufziehen. Siehe, ich habe das Land in seine Hand gegeben.“

4) Der Stamm Juda war ferner der erste Stamm, der für das Volk einen Richter stellte. Bald nach Josuas Tod wurde Israel acht Jahre lang für seine Sünde bestraft durch Kuschan-Rischatajim, den König von Mesopotamien. Am Ende dieser Zeit rufen sie zu Gott um Befreiung. Gott antwortet und erweckt ihnen Otniel aus dem Stamm Juda, der das Volk zur Freiheit führt. 5) Schließlich ist Juda der Erste, in dessen Stamm es zur bleibenden Herrschaft eines Königs kommt. Der erste König Israels war Saul aus dem Stamm Benjamin. Er wurde aber bald ersetzt durch den König David aus Juda. In der Folge wurde mit David der bedingungslose, ewige davidische Bund eingesetzt. In diesem Bund wird David ein ewiger Thron, ein ewiges Königreich und eine ewig bleibende Dynastie verheißen (2.Samuel 7,11-16; 1.Chronik 17,10-14). Die Erfüllung des davidischen Bundes finden wir im messianischen König. Dieser garantiert die Fortdauer des davidischen Thrones, seines Königreichs und seiner Dynastie.

Die messianische Natur dieser Prophetie wird betont durch eine Bemerkung zu Vers 8 im Midrasch Rabbah.

Midrasch Rabbah, Numeri XIV,14
Juda, dich werden deine Brüder preisen … vor dir werden deines Vaters Söhne sich verneigen. Juda ist ein junger Löwe, usw. (1.Mose 49,8f.). Der Stamm Judas – der weise und große unter ihnen – besaß eine traditionelle Überlieferung von unserem Vater Jakob bezüglich alles dessen, was dem ganzen Stamm bis zu den Tagen des Messias widerfahren sollte. Jeder der Stämme besaß in ähnlicher Weise eine Tradition von seinem Vater Jakob, was sich mit ihnen bis zu den Tagen des Messias ereignen würde… Wie wissen wir dasselbe vom König Messias? Weil geschrieben steht: „Er soll herrschen von einem Meer bis ans andere, und von dem Strom bis zu den Enden der Erde“ (Psalm 72,8). Woher wissen wir, daß er das Land beherrschen wird? Weil geschrieben steht: „Alle Könige sollen vor ihm niederfallen und alle Völker ihm dienen“ (Psam 72,11), und es steht auch geschrieben: „und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn … der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker … dienen sollten“ usw. (Daniel 7,14). „Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, so daß er die ganze Welt füllte“ (Daniel 2,35) … denn die Völker brachten Salomo Geschenke, und ähnlich werden sie auch in der zukünftigen Zeit Gaben zum König Messias bringen, wie geschrieben steht: „Die Könige aus Saba und Scheba sollen Gaben senden“ (Psalm 72,10).4

Die Vorstellung vom siegreichen Kriegsherrn wird ausgedehnt und erweitert durch das Bild von Juda als ein Löwe in Vers 9. Da gibt es einen Fortschritt, einen Entwicklungsprozeß, der in dem Bild vom Löwen erscheint. Juda wird geschildert als ein verspieltes, ausgelassenes, kämpferisches und energisches Jungtier, das sich zu einem mächtigen und Furcht einflößenden, erwachsenen Tier entwickelt.5 Wachstum und Weiterentwicklung sind hier Teil des Bildes. Eine rhetorische Frage bringt das Bild zu einem Abschluß, „Wer will ihn aufstören?“ Darauf ist keine Antwort nötig, sie ist zu offensichtlich. Mit einem erwachsenen, gesunden Löwen kann man sich nicht einlassen. Lediglich der dümmste aller Narren würde eine so gefährliche Bestie stören.

Als Person war Juda nicht perfekt, er hatte seine Schwachstellen. Beispielsweise machte er mit, als man seinen Bruder Joseph in die Sklaverei verkaufte nach 1.Mose 37. Er behandelte auch seine Schwiegertochter Tamar falsch nach 1.Mose 38.

Trotzdem besaß Juda grundsätzlich einen charakterlichen Adel, der im Laufe der Jahre noch zunahm. Das Wachstum seines Charakters und seiner moralischen Rechtschaffenheit befähigte ihn, mit seinen persönlichen Schwachheiten fertig zu werden. Anders als seine drei älteren Brüder besiegte er seine Fehler. Zum Beispiel erbot er sich selbst als Garant für Benjamins Sicherheit laut 1.Mose 43. Er stand dazu in 1.Mose 44 und war bereit, als Sklave an die Stelle Benjamins zu treten.

Für dieses Wachstum, für diese Ausrichtung seines Lebens, wird er gelobt. Dieser grundsätzliche Adel seines Charakters wird seinen Stamm für die künftigen Jahre kennzeichnen. Dieser wird wachsen und der einzige, vorherrschende Stamm der foldenden Jahrhunderte werden.

Unser persönliches Charakterwachstum wird unseren Lohn in dieser Welt bestimmen. Wenn wir wie Juda charakterlich reifen, werden auch wir den charakterlichen Lohn davon ernten.

Wir wenden uns nun wieder dem Midrasch zu und sehen, wie die Rabbinen Vers 9 für sehr messianisch hielten.

Midrasch Rabbah, Neue Version XCVII:
… JUDA IST EIN JUNGER LÖWE (49,9). R. Chama b. R. Chanina sagt: Das bezieht sich auf den Messias, den Sohn Davids, der von zwei Stämmen abstammte; sein Vater kam aus dem Stamm Juda und seine Mutter aus dem Stamm Dan. In Verbindung mit diesen beiden wird vom „Löwen“ geschrieben: „JUDA IST EIN JUNGER LÖWE“, und „Dan ist ein junger Löwe“ (5.Mose 33,22).

Midrasch Rabbah, Genesis XCVIII,7:
… Andere erklären: Von Perez bis Zedekia ER HAT SICH HINGESTRECKT, SICH NIEDERGELEGT (4.Mose 24,9); von Zedekia bis zum Messias „er hat sich niedergelegt, er lag da“. In dieser Welt „streckte er sich hin und legte sich nieder“; in der messianischen Ära, ER HAT SICH HINGESTRECKT, SICH NIEDERGELEGT; als er keine Feinde hatte, „streckte er sich hin und legte sich nieder“; bis alle seine Feinde nicht mehr sein werden, „hat er sich hingestreckt und sich niedergelegt“.

(Eine Fußnote im Midrasch zum Zeitraum von Zedekia bis zum Messias sagt von Juda: In dieser Zeit ist er machtlos, bis er am Ende erlöst sein wird.
6)

Jetzt fährt Jakob mit seinen Bemerkungen fort, und dabei fängt er an, über einen anderen seiner Söhne zu sprechen. Dieser Sohn ist keiner von den zwölfen, die um sein Bett versammelt sind. Er wird ein Abkömmling des Stammes Juda sein und etwa 1.700 Jahre später in der Zukunft erscheinen.

In den Versen 10-12 beschreibt Jakob den Messias und das messianische Königreich. Er beginnt seine Ausführungen mit einer Zeitangabe zum Königreich in Vers 10.

 

1 Wood, D.R.W., and Marshall, I.H., The New Bible Dictionary, "Judah" (Electronic Ed., Logos 2.0)
2 Wood, D.R.W., The New Bible Dictionary (Wheaton, IL: Tyndale House Publishers, Inc., 1962)
3 Lapides, Louis. "The Rabbinic and Hebrew Christian Views on Messianic Prophecy Outline," Ariel Ministries.
4 Huckel, T., The Rabbinic Messiah, (Gen. 49:8). (Philadelphia: Hananeel House, 1998).
5 Van Groningen, Gerard., Messianic Revelation in the Old Testament (Grand Rapids, MI: Baker Book House, 1990), p. 171
6 Huckel, T., The Rabbinic Messiah, (Gen. 49:9). (Philadelphia: Hananeel House, 1998).